"Unbeherrschbares Abenteuer" Commerzbank-Betriebsrat rebelliert gegen mögliche Fusion

Die Überlegungen, die Deutsche Bank und die Commerzbank zu fusionieren, stoßen auf starken Widerstand. Der Betriebsrat der Commerzbank hat jetzt eine Protestnote an den Vorstand geschrieben.

Türme der Deutschen und der Commerzbank in Frankfurt
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Türme der Deutschen und der Commerzbank in Frankfurt


Der Betriebsrat der Commerzbank fordert vom Vorstand den Abbruch der Gespräche über eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank. "Es ist an der Zeit, den Schaden jetzt zu begrenzen", heißt es in einer Protestnote des Gremiums an den Vorstand. "Ihr Vorhaben hat im Management, bei den Mitarbeitern, in den Gremien, bei den Kunden unserer Bank wie auch in der Gesellschaft keinen Rückhalt."

"Wir sind der Auffassung, dass Sie sich ohne einen erkennbaren Plan, ohne Vision und ohne den Rückhalt in ein unbeherrschbares Abenteuer stürzen", schreiben die Arbeitnehmervertreter und mahnen den Vorstand um Konzernchef Martin Zielke: "Treffen Sie verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft unserer Commerzbank, und nehmen Sie Abstand von diesem Vorhaben." Kritiker befürchten beispielsweise, dass eine Fusion mindestens 30.000 der 140.000 Arbeitsplätze bei beiden Banken kosten würde.

Der Gesamtbetriebsrat habe 2016/2017 mit dem Vorstand eine gemeinsame Strategie verhandelt und der Streichung von nahezu 10.000 Arbeitsplätzen zugestimmt, hieß es in der Protestnote weiter. Ziel sei es gewesen, die Selbstständigkeit der Commerzbank zu erhalten und sie in eine zukunftsfähige Bank umzubauen. "Dieser Weg trägt nun erste Früchte." Mit den Verhandlungen verlasse der Vorstand den gemeinsamen Weg und stürze sich ohne einen erkennbaren Plan "in ein unbeherrschbares Abenteuer".

Die beiden größten deutschen Privatbanken hatten am 17. März mitgeteilt, dass sie über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Häuser beraten. Bis Ende April soll eine Entscheidung über einen möglichen Zusammenschluss fallen.

Nach Einschätzung des Betriebsrats haben bereits die bloßen Überlegungen negative Auswirkungen für die Commerzbank: "Schon jetzt ist festzustellen, dass bereits in dieser Phase der Gespräche Kunden besorgt und erbost der Bank den Rücken kehren wollen."

Ab Donnerstag wollen die Mitarbeiter der beiden Institute an jedem Arbeitstag in wechselnden Städten mit Warnstreiks ihrem Ärger Luft machen. Zudem haben die Gewerkschaften gedroht, die Verhandlungen zur Integration der Postbank in die Deutsche Bank zu stoppen. Das größte deutsche Geldhaus hatte im vergangenen Jahr die Postbank zwar rechtlich voll in den Gesamtkonzern integriert, doch die Zusammenlegung der Geschäftsbereiche dauert an.

Commerzbank zeigt sich zuversichtlich

Im jüngsten Geschäftsbericht äußerte sich Commerzbank-Chef Zielke zuversichtlich: "Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr." 2018 hatte das seit Herbst im MDax notierte Institut 865 Millionen Euro Gewinn gemacht und damit fast sieben Mal so viel wie ein Jahr zuvor, als der Gewinn bei 128 Millionen Euro lag.

Größter Anteilseigner der Commerzbank ist mit gut 15 Prozent der Bund. Seit Sommer 2018 betonen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, Deutschland brauche starke Banken. Die Bundesregierung stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber".

brt/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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Europa! 27.03.2019
1. Die Fusion ist ein Problem, aber ...
Deutschland braucht aus strategischen Gründen eine starke Bank, um ggf. die Investitionen der Unternehmen zu finanzieren. Da hat Scholz schon recht.
hbm-1217750863004 27.03.2019
2. Herr Scholz weiß Bescheid
Glückwunsch Herr Finanzminister. Mit Banken kennen Sie sich aus. Nachweislich. Wenn Sie das norddeutsche Finanzfiasko der HSH Nordbank, an dem Sie nicht unbeteiligt sind, auch im Bund wollen, treiben Sie diese sinnlose Fusion gern voran. Machen wir das Triumvirat aus Deutscher Bank, Commerzbank und Postbank klein.
Hans-Hermann K. 27.03.2019
3. Wenn ich schon
den Namen Goldmann-Sachs lese/hoere, verbunden mit dem Hinweis auf Expertentum des Banken-Business, wird mir gerade ganz anders! Die Hoerigkeit auf diese "Experten" haben wir schon teuer bezahlt und es waere einmal an der Zeit, auch fuer unseren Finanzminister Scholz und seinen Stab, den normalen Menschenverstand einmal wieder zu benutzen. Die vorherige und jetzige Banken-Manager-Generation hat in ihrer Abgehobenheit ein Disaster in der Vermoegens-und Geldpolitik verursacht bzw. hinterlassen, hat ihre Geldhaeuser in den Ruin gefuehrt, das Vertrauen ihrer Kundschaft missbraucht, das Geld ihrer Anleger wissentlich verspekuliert und zum Steuerbetrug ihrer Grossanleger mit beigetragen und auch noch div. Arbeitsplaetze dabei vernichtet, gleichzeitig und das ist der Gipfel der Unverschaemtheit, riesen Boni fuer ihre Misswirtschaft eingestrichen.Muss man noch mehr aufzaehlen? Und diesen Misswirtschaftern soll ich vertrauen, ein neues Bankhaus zu gruenden, zu fuehren und dabei aber gleichzeitig tausende von Arbeitsplaetzen zu streichen ( aus angeblichen Kostengruenden) und sich selbst aber mit enormen Gehaeltern und Boni wieder einmal zu erst zu bedienen! Ich werde mein Vermoegen in keines dieser Geldhaeuser tragen, weil ich u.a. damit zufrieden bin was ich habe. Ob man's glaubt oder nicht bleibt dem geneigten Foristen ueberlassen.
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