Trotz Teilverstaatlichung Commerzbank-Chef Blessing fliegt First Class

Dank milliardenschwerer Staatshilfen hat die Commerzbank die Finanzkrise überlebt. Das hält Vorstandschef Martin Blessing nach SPIEGEL-Informationen nicht davon ab, First Class zu fliegen. Zwar nur, wenn er im Anschluss Termine hat - was die Sache aber in diesem Fall nicht besser macht.
Commerzbank-Chef Blessing: Gut ausgeruht zur Sparrunde

Commerzbank-Chef Blessing: Gut ausgeruht zur Sparrunde

Foto: LISI NIESNER/ REUTERS

Frankfurt - Einige Passagiere des Lufthansa-Flugs LH 419 von Washington nach Frankfurt waren am vorvergangenen Sonntag ziemlich baff, als sie sahen, welcher hochgewachsene Manager beim Einsteigen geradezu selbstverständlich gen First Class abbog: Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, also jenes Instituts, das sich in Werbespots gern als geläutert preist und einen hohen moralischen Anspruch herauskehrt.

Zur Erinnerung: Die Commerzbank existiert nur deshalb noch, weil die Bundesregierung ein Viertel der Aktien übernahm. Deutschlands oberster Staatsbanker, dem die Milliarden der Steuerzahler den Job gerettet haben, fliegt also fast für den Preis eines Kleinwagens in die USA und zurück? Anstatt die deutlich preiswertere und ebenfalls recht bequeme Business Class zu nutzen, mit der sich die meisten Manager begnügen?

Moment, sagt die Commerzbank, Blessing nehme nur in Ausnahmefällen die First Class, in diesem Jahr sei das bei zehn Prozent seiner Flüge der Fall gewesen. Der Commerzbanker sitzt demnach nur dann ganz vorn im Flugzeug, wenn es sich um einen Interkontinentalflug inklusive Zeitverschiebung handelt und er direkt im Anschluss Termine hat.

Erst landen, dann sparen

Das macht die Sache in diesem Fall nicht weniger pikant, eher im Gegenteil: Nach dem Rückflug aus Washington eilte Blessing vom Flughafen in eine dringende Aufsichtsratssitzung. Gemeinsam mit Chefkontrolleur Klaus-Peter Müller wollte der ausgeschlafene Erste-Klasse-Passagier einen wichtigen Sparbeschluss durchpauken: den Rausschmiss der Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber. Die beiden müssen gehen, weil die Führungscrew verkleinert werden soll, von neun auf sieben Mitglieder. Man könnte auch sagen: Der Vorstand soll künftig wieder komplett in die First Class passen, denn die hat bei Lufthansa maximal acht Plätze. Doch im Aufsichtsrat fand sich keine Mehrheit für den Rausschmiss, am Ende könnte der Streit mit Klösges und Sieber vor Gericht landen und richtig teuer werden. Wenn der Chef schon erste Klasse fliegt, wollen sie wenigstens nicht zweiter Klasse rausfliegen.