Cum-Ex-Geschäfte Ermittler durchsuchen Commerzbank-Büros

Die Steuertricks der Vergangenheit lassen die Commerzbank nicht los. Ermittler durchsuchten Büros der Bank im Zusammenhang mit den umstrittenen Dividenden-Deals aus der Zeit von 2006 bis 2010.

Commerzbank-Tower in Frankfurt
DPA

Commerzbank-Tower in Frankfurt


Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag Büros der Commerzbank und Wohnungen von Beschuldigten in Frankfurt und Hanau durchsucht. Grund für die am Freitag bekannt gewordenen Razzien sind umstrittene Cum-Ex-Geschäfte mit Dividenden-Steuererstattungen.

Eine Sprecherin der Commerzbank sagte, die Bank würde vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt teilte mit, durch falsche Steuerbescheinigungen für die Jahre 2006 bis 2010 sei mutmaßlich ein Steuerschaden von rund 40 Millionen Euro entstanden. Über die Razzia hatte zuerst der Branchendienst Juve berichtet.

Im Visier der Ermittler sind insgesamt fünf - zum Teil ehemalige - Manager des Kreditinstituts im Alter von 51 bis 63 Jahren, außerdem weitere, bislang unbekannte Personen, die für die Planung und Umsetzung der Cum-Ex-Geschäfte in den Jahren 2006 bis 2010 mitverantwortlich gewesen sein sollen.

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Cum und Ex: Vereinfachtes Modell eines Dividendendeals

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs der schweren Steuerhinterziehung. Die Namen des betroffenen Instituts und der Beschuldigten nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Bei den Cum-Ex-Geschäften verschoben die Beteiligten um den Dividendenstichtag herum untereinander Aktien mit (lateinisch: "cum") und ohne ("ex") Dividendenanspruch. Dadurch entstand der Eindruck, die Papiere hätten zum gleichen Zeitpunkt mehrere Besitzer. Die Beteiligten beantragten dann mehrfach die Erstattung der vom Emittenten der Aktien vorab einbehaltenen Kapitalertragsteuer.

Der mutmaßliche Steuerschaden derartiger Geschäfte vieler Banken wird für den deutschen Staat insgesamt auf bis zu zwölf Milliarden Euro geschätzt. In Deutschland laufen zahlreiche Gerichtsverfahren gegen Beteiligte.

brt/Reuters

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geotie 10.11.2017
1.
Beider Commerzbank wollte ich für ein Projekt mir Geld leihen. Dies wurde mir verwehrt, weil ich, ohne näher darauf einzugehen, angeblich "keine weiße Weste" hätte. Und wenn ich das hier so lese, dann werde ich mit der Commerzbank keine Geschäfte machen, weil die tatsächlich "keine weiße Weste" haben.
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