Teure Sanierung Commerzbank erwartet Verluste wegen Jobabbau

Die von der Bankenkrise hart getroffene Commerzbank will Tausende Stellen abbauen. Das klappt schneller als gedacht. Doch genau deshalb sieht die Bilanz des Geldhauses erst mal schlecht aus.

Frankfurter Commerzbank-Zentrale
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Frankfurter Commerzbank-Zentrale


Commerzbank 4.0 heißt die Sparstrategie des Vorstands - und sie läuft offenbar zu gut: Viele Beschäftigte haben die Commerzbank bereits freiwillig verlassen. Doch der schnell voranschreitende Abbau von mehr als 9000 Stellen hat die Bilanz des Geldhauses verschlechtert.

Wegen Rückstellungen für Abfindungen und andere Kosten rechnet die Bank im zweiten Quartal 2017 mit einem Verlust. Auch im Tagesgeschäft sei es schlechter gelaufen als noch zu Jahresbeginn, teilte die Commerzbank mit. Genaue Zahlen nannte sie aber noch nicht.

Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern seien weit fortgeschritten, teilte die Bank mit. "Auf Basis des aktuellen Gesprächsstands ist die Commerzbank zuversichtlich, kurzfristig einen Rahmeninteressenausgleich und Rahmensozialplan abschließen zu können."

Das seit der Bankenkrise teils verstaatlichte Geldhaus hatte im Herbst angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 9600 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Etwa 1650 Stellen sind bis zum Ende des ersten Quartals bereits weggefallen. Zuletzt waren auf Vollzeitbasis rund 42.000 Menschen bei der Commerzbank beschäftigt. Vorstandschef Martin Zielke will die Bank mit diesem Sparkurs auf die verstärkte Digitalisierung des Geschäfts einstellen.

Die Commerzbank leidet zudem wie viele andere Banken unter den niedrigen Zinsen, die die Einnahmen schmälern. Hinzu kommen spezifische Probleme wie vom Ausfall bedrohte Schiffskredite - angesichts der Krise der Containerreedereien. Für das Gesamtjahr 2017 geht das Institut aber nach wie vor von einem Gewinn aus. 2016 Jahr hatte die Commerzbank unter dem Strich 279 Millionen Euro verdient - nach 1,084 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Wegen des Stellenabbaus wird die Bank im zweiten Quartal Rückstellungen in Höhe von rund 810 Millionen Euro bilden - deutlich mehr als die zunächst erwarteten 550 Millionen Euro für das laufende Jahr. Mit 810 Millionen Euro wäre sogar der gesamte Aufwand zur Umsetzung des Personalabbaus abgedeckt, teilte die Bank mit.

apr/dpa-AFX/Reuters

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