Schwarzgeld-Verdacht Commerzbank kündigt 400 Kunden

Vorläufiger Höhepunkt des Großreinemachens: Die Luxemburger Tochter der Commerzbank hat 400 Kunden gekündigt, die vermutlich Schwarzgeld auf ihren Konten horten. Sie hatten trotz mehrfacher Aufforderung keine Selbstanzeige gestellt.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Briefkasten-Firmen in Panama

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Briefkasten-Firmen in Panama

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

In der Steuer-Affäre um fragwürdige Geldgeschäfte im Ausland räumt die Commerzbank auf. Im Januar kündigte das Institut etwa 400 Kunden zum 30. April, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Insider berichtet und damit gleichlautende Informationen der "Süddeutschen Zeitung"  ("SZ") bestätigte. Die Kunden hatten demnach zuvor auf mehrere Schreiben nicht reagiert, in denen sie zur Klärung ihrer "steuerliche Situation" aufgefordert worden waren - konkret also dazu, Selbstanzeige beim Finanzamt zu stellen. Ein Banksprecher wollte die Berichte nicht kommentieren.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen etliche Kunden und Mitarbeiter der Luxemburger Commerzbank-Tochter Cisal wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe dazu. Grundlage der Ermittlungen ist eine von den Steuerbehörden in Nordrhein-Westfalen gekaufte CD.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Luxemburg-Töchter deutscher Großbanken Anlegern Briefkastenfirmen in Panama vermittelt haben sollen. Über diese Scheinfirmen soll Vermögen vor dem Fiskus versteckt worden sein. Bei Razzien Ende Februar waren zu der Affäre unter anderem in der Frankfurter Commerzbank-Zentrale Unterlagen beschlagnahmt worden.

Gelder teilweise weiter von Commerzbank verwaltet

Die Commerzbank bot dem Vernehmen nach die fragwürdigen Geschäfte seit Sommer 2008 nicht mehr an. Damals hatte die Cisal dem Bericht zufolge noch 19.250 Kundenkonten, auf denen Vermögen in Milliardenhöhe lagerte, ein Großteil davon mutmaßlich Schwarzgeld. Panama-Firmen hätten auf 242 Konten insgesamt 419 Millionen Euro geparkt. Die Commerzbank teilte der Zeitung mit, es gebe auch Panama-Gesellschaften, die legalen Zwecken dienten.

Die Zahl der Gesamtzahl der Konten ist laut "SZ" inzwischen auf jetzt nur noch etwas mehr als 4000 gesunken. Der Bank zufolge habe der Rückgang aber mehrere Gründe gehabt. Ein wesentlicher Teil dieser Gelder werde nicht mehr bei der Cisal, aber weiterhin innerhalb der Commerzbank verwaltet. Inwieweit es sich auch um Schwarzgeld gehandelt habe, sei Bestandteil des Ermittlungsverfahrens.

fdi/dpa/AFP
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