Kapitalerhöhung Commerzbank lockt Anleger mit neuen Billig-Aktien

Alles zum halben Preis! Die Commerzbank bietet im Zuge ihrer Kapitalerhöhung neue Aktien mit gut 50 Prozent Rabatt an. Was neue Anleger anlocken soll, frustriert die Alt-Aktionäre. Denn deren Anteile verlieren immer stärker an Wert.

Commerzbank-Filiale in Köln: Die Altaktionäre sind sauer
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Commerzbank-Filiale in Köln: Die Altaktionäre sind sauer


Frankfurt am Main - Die Commerzbank drückt ihre milliardenschwere Kapitalerhöhung auf Kosten ihrer Altaktionäre durch. Um Investoren anzulocken, bietet das Institut die neuen Aktien mit einem Abschlag von gut 50 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs an. Um dennoch auf den angestrebten Erlös von 2,5 Milliarden Euro zu kommen, kündigte die Bank am Dienstag an, die Aktienzahl fast zu verdoppeln.

Damit werden die Anteile der Altaktionäre noch stärker als erwartet verwässert. Die neuen Anteilsscheine kosten gerade einmal 4,50 Euro pro Stück, am Montag war noch über einen Emissionspreis von rund 5 Euro spekuliert worden.

Mit dem frischen Geld will die Commerzbank die verbliebenen 1,6 Milliarden Euro an direkten Staatshilfen aus der Zeit der Finanzkrise sowie die stillen Einlagen des Versicherers Allianz von 750 Millionen Euro ablösen. Zudem soll das sogenannte harte Eigenkapital steigen - von 7,5 Prozent der gesamten Kredite und Vermögenswerte auf 8,4 Prozent. Vor zwei Monaten hatte sich die Bank noch 8,6 Prozent zum Ziel gesetzt. Das Eigenkapital soll als Puffer gegen künftige Krisen dienen.

Von der guten Stimmung an den Börsen hat sich die Commerzbank schon längst abgekoppelt. Am Dienstag setzte die Aktie ihre Talfahrt fort. "Die Verwässerung ist enorm", klagte ein Händler. Der Kurs sackte am Dienstag zwischenzeitlich um fast drei Prozent auf das Rekordtief von 9,64 Euro ab. Damit notiert die Commerzbank-Aktie gut 95 Prozent unter dem Kurs von 2007.

Erstmals sinkt der Anteil des Staates

Insgesamt gibt die Commerzbank gut 555 Millionen neue Aktien aus. Altaktionäre können die neuen Papiere von diesem Mittwoch an bis zum 28. Mai zeichnen. Sie bekommen sie im Verhältnis 21 zu 20 - das heißt für 21 bestehende Anteilsscheine können sie 20 neue ordern. Wer keine neuen Aktien haben möchte, kann sich sein Bezugsrecht bis zum 24. Mai von neuen Investoren abkaufen lassen.

Der Erlös aus der Kapitalerhöhung ist bereits gesichert. Dafür stehen die Investmentbanken, die der Commerzbank bei der Kapitalerhöhung helfen, auf jeden Fall gerade. Neben der Commerzbank wird die Transaktion von der Deutschen Bank sowie der Citigroup und der HSBC gemanagt.

Im Zuge der Kapitalerhöhung lässt der Bund erstmals seit dem Einstieg bei der Commerzbank auch seinen Aktienanteil fallen. Dieser soll von derzeit gut einem Viertel auf unter 20 Prozent sinken.

Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin war nach der Lehman-Pleite Mitte September 2008 in zwei Schritten bei der Commerzbank eingestiegen. Insgesamt flossen 18,2 Milliarden Euro staatliche Hilfsgelder - davon 16,4 Milliarden Euro als stille Einlage, der Rest als direkte Beteiligung.

Die Commerzbank hatte die Ausgabe neuer Papiere Mitte März angekündigt. Die Hauptversammlung einen Monat später hatte dem Schritt trotz harter Kritik von Kleinaktionären mit großer Mehrheit zugestimmt. Um die komplizierte Transaktion überhaupt durchziehen zu können, musste das Institut kurz danach den Kurs aufhübschen: Es legte zehn alte Aktien zu einer neuen zusammen. Dadurch verzehnfachte sich der Aktienkurs an der Börse. Das sollte verhindern, dass der Kurswert unter einen Euro sinkt. Dann wäre eine Kapitalerhöhung unmöglich gewesen, da eine neue Aktie nicht unter einem Nennwert von einem Euro ausgegeben werden darf.

stk/dpa-AFX



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Bernhard65 14.05.2013
1. Wie sicher ist mein Geld?
Was dies alles für die Kontoinhaber bedeutet, kann man durch ein aktuelles und neutrales Rating sehen: http://www.rating-index.com/Rating_Banken
adam68161 14.05.2013
2. Die Clique um die Herren
Blessing (VSt), Müller (AR) & Co. gehört längst hinter Schloss und Riegel wegen Betrug, Untreue und Verursachung eines riesigen volkswirtschaftlichen Schadens. Dagegen sind die fehlenden paar Steuermillionen von Hoeness wirkliche Peanuts.
EricCartman 14.05.2013
3. Typische US-Methode
Erst denn Kurs mit mehr Aktien verwässern, dann nach einer gewissen Zeit den Re-Split durchführen, dann wieder verwässern usw.
rabenkrähe 14.05.2013
4. nene
Zitat von sysopAFPAlles zum halben Preis! Die Commerzbank bietet im Zuge ihrer Kapitalerhöhung neue Aktien mit gut 50 Prozent Rabatt an. Was neue Anleger anlocken soll, frustriert die Alt-Aktionäre. Denn deren Anteile verlieren immer stärker an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/commerzbank-lockt-anleger-mit-neuen-billig-aktien-a-899794.html
......... Die Coba, diese Karikatur einer Bank, wartet mit immer neuen Überraschungen auf, die alle nur eins gemeinsam haben: Entweder werden die Kunden oder es werden die Aktionäre geschröpft. Und zwar gnadenlos. Die Erklärungen sind immer die gleichen, erstaunlich ist lediglich, wie langmütig die gefühlt zwölfte Manifestation, die Staatsbeteiligung solle aufgelöst werden, noch benutzt wird. Der Börsenkurs wird sich, das ist völlig klar, in Windeseile in Richtung fünf Euro bewegen. Wie eine Kapitalerhöhung sinnvoll durchgeführt wird, hat vor wenigen Wochen die Deutsche Bank gezeigt, die über Nacht zuschlug und an der Börse dafür auch noch gefeiert wurde. Dort steigen allerdings noch echte Investoren ein, die Coba muß die verbliebenen Aktionäre ausbeuten, immer und immer wieder. rabenkrähe
robin-masters 14.05.2013
5. Aktien verkauft
Hab meine CoBa Aktien grade verkauft sowas tu ich mir nicht mehr an, ganz billige Nr. eines sterbenden auf kosten der Aktionäre. Klar die CoBa wird sich gesund stoßen bei sowas, aber der Kurs wird in den Keller gehen. Anschließend sollte die CoBa jedoch wieder recht gut da stehen als bei 4,50€ kann man dann wieder einsteigen, wer mutig ist.
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