Onlinebanking Schon wieder IT-Panne bei der Commerzbank

Erst am Freitag ärgerten sich viele Kunden über nicht funktionierende Geldautomaten und Kartenzahlungen - nun gab es die nächste IT-Panne bei der Commerzbank: Die Anmeldung beim Onlinebanking machte Probleme.

Demontage eines Commerzbank-Logos in Frankfurt (im November 2013): Die Pannen häufen sich
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Demontage eines Commerzbank-Logos in Frankfurt (im November 2013): Die Pannen häufen sich


Binnen vier Wochen ist es schon die dritte IT-Panne bei der Commerzbank: Am Montagvormittag gab es etwa eine Stunde lang Probleme bei der Anmeldung zum Onlinebanking. Gegen Mittag sei das Problem behoben gewesen, sagte ein Sprecher der Bank.

Erst am Freitag hatte die Bank mit heftigen IT-Problemen zu kämpfen gehabt: Ein Teil der Kunden hatte zeitweise an Bankautomaten kein Geld bekommen, Einkäufe konnten nicht mit der Girocard (EC-Karte) bezahlt werden. Auch der Zugang zum Onlinebanking war stundenlang nur eingeschränkt möglich gewesen.

Zuvor hatte es Anfang Juni eine technische Störung gegeben, durch die Zahlungen lahmgelegt wurden. Daueraufträge, Überweisungen und Lastschriften konnten zeitweise nicht verarbeitet werden. Damals hatten sich viele Kunden geärgert, weil zum Monatsanfang besonders viele Daueraufträge ausgeführt und Lastschriften eingezogen werden.

Auch an diesem Montag - dem 1. Juli - reagierten Kunden in sozialen Medien verärgert. "Mein Vermieter wartet auf sein Geld", schrieb ein Kunde etwa auf Twitter und beendete den Tweet mit #kündigung.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/dpa



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RB-Fan 02.07.2019
1. Der Frust ist ja in Ansätzen verständlich ....
.... aber sollte man nicht auch mal die Kirche im Dorf lassen? Ob es nun mal eine Stunde Ausfall gibt wegen einer Technik--Panne, oder ob man just in dem Moment eine Überweisung eingeben will, wenn gerade Wartungsarbeiten stattfinden .... seit Twitter und Instagram drehen die Leute ja völlig am Rad und teilen das auch allen mit, wenn nicht sofort alles klappt wie sie es wollen. Würde das Online Banking drei Tage lang nicht funktionieren ist das was anderes. Und mal ehrlich, wer am 01.07. Vormittags eine Überweisung eingeben will, die bis zum 03.07. beim Vermieter eingehen muss, der lebt entweder gern gefährlich oder übertreibt gerade ein bisschen.
intercooler61 04.07.2019
2. Gesetzgeber und Aufsicht sind gefordert
Ich bin vom Fach und traue mir das Urteil zu, das mehrfache Störungen dieses Ausmaßes innert so kurzer Zeit nicht allein mit unvermeidlicher menschlicher Fehlbarkeit erklärbar sind. Ohne ein gerüttelt Maß an Organisationsverschulden ist so eine Pannenserie nicht vorstellbar. Als Kunde verfolge ich schon seit Jahren die Entwicklung des Online-Bankings der Coba. Nicht nur, dass manches funktional unbefriedigend war und z.T. noch ist - viel aufschlussreicher ist, was im Laufe der Zeit wie weiterentwickelt wurde, z.B.: - Aufbau einer mobilen Lösung (App) mit offenbar parallel entwickelter, z.T. abweichender Funktionalität oder - Fassadenpflege mit viel Bling-bling und zeitraubende Werbeeinblendungen mit großformatigen Bilddateien in der Desktop-Lösung. Die Prioritäten scheinen dort jedenfalls nicht auf Funktion, Effizienz und Zuverlässigkeit zu liegen. Und genau das finde ich bei einem Finanzdienstleister nicht tolerierbar. Wer sagt uns denn, dass es in kritischeren Komponenten des dortigen IT-Systems nicht ähnlich übel aussieht? Davon abgesehen können Störungen den Kunden durchaus auch Tausende Euro kosten, wenn z.B. an einem turbulenten Börsentag der Online-Handel versagt und die telefonische Erreichbarkeit zu wünschen übrig lässt. Es ist (auch gemessen an anderen Anbietern, die z.T. einen deutlich besseren Service zu einem Bruchteil der Kosten bieten) anno 2019 nicht mehr akzeptabel, Online-Banking als Luxus-Goodie ohne jegliches Obligo anzusehen. Neuland eben. Mir selbst ist gottlob noch kein Schaden entstanden, aber ich sehe Legislative und Aufsicht in der Verantwortung, hier entweder für einen verbindlich einzuhaltenden "Minimum Service Level" zu sorgen oder solche Läden kurzerhand dichtzumachen. Zuverlässigkeit ist nicht verhandelbar. Jedenfalls nicht bei einem Geldinstitut dieser Größenordnung.
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