Sparmaßnahmen Commerzbank streicht 4300 Stellen

Die Commerzbank schließt ein Fünftel ihrer Filialen. Außerdem sollen Tausende Stellen abgebaut werden.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main
Arne Dedert / DPA

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main


Die Commerzbank will konzernweit rund 4300 Stellen streichen. Da gleichzeitig rund 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, belaufe sich der Abbau netto auf rund 2300 Vollzeitstellen, teilte der Finanzkonzern mit. Die neuen Arbeitsplätze sollen vor allem in Digitalisierung und IT-Infrastruktur aufgebaut werden.

Die Details über den geplanten Stellenabbau sollen in den nächsten Monaten ausgearbeitet werden. Ziel sei es, die Streichungen "möglichst sozialverträglich" zu gestalten.

Die Commerzbank hat ihre Belegschaft in den vergangenen Jahren bereits erheblich reduziert. Die Zahl der Vollzeitkräfte sank von 43.300 auf 40.700 Ende Juni 2019. Bis Ende 2020 sollen es nach aktueller Planung etwa 38.000 sein. Ursprünglich wollte der Vorstand die Belegschaft auf 36.000 Vollzeitkräfte verringern.

Zusammenlegung mit Comdirect

Doch weil Aufgaben im Zuge der Digitalisierung stärker im eigenen Haus und weniger an externe Dienstleister vergeben werden sollen, setzte der Vorstand die Zielmarke nach oben. Insgesamt beschäftigte die Bank Ende Juni 48.644 Mitarbeiter, davon rund 34.900 im Inland.

Von den etwa 1000 Filialen sollen rund 200 geschlossen werden. So wolle die Bank sich "zukunftssicher aufstellen". Welche Standorte betroffen sein könnten, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Seit einiger Zeit setzt das Institut auf einen Mix aus Kleinstfilialen und großen Standorten mit Komplettangebot.

Zudem soll die Commerzbank mit der Tochter Comdirect zusammengelegt werden. Die Commerzbank, die derzeit 82 Prozent hält, will Comdirect komplett übernehmen. Die Aktien der Online-Tochter sind am Nachmittag um mehr als 25 Prozent nach oben geschnellt. Mit 11,48 Euro waren die Papiere so teuer wie seit zwölf Monaten nicht mehr. Die Aktien der Commerzbank selbst legten zeitweise rund drei Prozent zu. Börsianer bemängeln die mittelfristigen Renditeziele des Geldhauses als zu niedrig.

Verkauf der polnischen Tochter

Um Geld für den Konzernumbau bereitzustellen, will die Commerzbank zudem ihre polnische Tochter mBank verkaufen. Die mBank ist an der Warschauer Börse gelistet und wird dort derzeit mit rund 3,1 Milliarden Euro bewertet. Die Commerzbank hält 69,3 Prozent an dem Institut. Durch einen Verkauf der Anteile könnte sie rechnerisch rund zwei Milliarden Euro einnehmen.

Mit den Umbauarbeiten will die Commerzbank ihre Kosten bis 2023 im Vergleich zum laufenden Jahr um rund 600 Millionen Euro drücken. Nach Veräußerung der mBank würde dies im Jahr 2023 zu einer Kostenbasis von höchstens 5,5 Milliarden Euro führen.

Danach werde mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent angestrebt - deutlich weniger als bisher. Im Herbst 2016 hatte die Commerzbank für 2020 noch eine Rendite von mehr als sechs Prozent in Aussicht gestellt.

Die Kernkapitalquote solle künftig zwischen zwölf und 13 Prozent liegen. Zusammen mit der angestrebten Eigenkapitalrendite soll dies der Bank die Zahlung regelmäßiger Dividenden ermöglichen.

Die Pläne muss der Aufsichtsrat noch absegnen, der in der kommenden Woche zu seiner Strategiesitzung zusammenkommt.

brt/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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IchUndTom 20.09.2019
1. Das ist erst der Anfang
Die Commerzbank hat rund 50.000 MitarbeiterInnen bei ca. 18 Mio Kunden. Das Fin-Tech N26 hat bei rund 1.000 MitarbeiterInnen ca. 3,5 Mio Kunden. Theoretisch müsste sich die Commerzbank von 45.000 MitarbeiterInnen trennen, um konkurrenzfähig zu werden.
indigohh 20.09.2019
2. Ihnen scheint entgangen zu sein...
Zitat von IchUndTomDie Commerzbank hat rund 50.000 MitarbeiterInnen bei ca. 18 Mio Kunden. Das Fin-Tech N26 hat bei rund 1.000 MitarbeiterInnen ca. 3,5 Mio Kunden. Theoretisch müsste sich die Commerzbank von 45.000 MitarbeiterInnen trennen, um konkurrenzfähig zu werden.
...dass es sich bei der Commerzbank um eine Universalbank handelt. Ein Großteil des Geschäfts wird mitnichten mit Privatkunden gemacht.
The banker 20.09.2019
3. Vergleich COMMERZBANK mit N26 ist Unsinn
Die Commerzbank erzielt Einnahmen von über 7 Mrd. und hat operativ in den letzten Jahren seit 2015 jeweils rund eine mrd verdient. Das getypte n26, erzielte zuletzt Umsätze von 10 mio p.a. Und unter dem Strich standen über 30 mio Verlust. Wenn der Laden n26nicht so klein und unbedeutend wäre hätte ihn die BaFin vermutlich längst zugesperrt aufgrund Mängeln in compliance und KYC. So lang sie ihn auflassen wird er Geld von Investoren verbrennen und dann irgendwann sang und klanglos abgewickelt. Man sollte einen Sandkasten für Kinder nicht mit einem Fundament für ein Hochhaus verwechseln.
olmen 20.09.2019
4. Keine Wahl - auch durch EZB-Politik
haben alle Kreditinstitute. Wie auch, wenn Zinserträge so dramatisch wegfallen und die EZB Minus-Zinsen festlegt. So sind noch mehr Verwerfungen zu erwarten. Keiner sollte dann überrascht sein. Übrigens: Was würden z. B. andere Branchen sagen, wenn ihnen so nachhaltig die Ertragsbasis entzogen wird? Die EZB-Politik muss endlich auf den Prüfstand. Das "süße Gift" Niedrigzins-Politik wirkt nachhaltig negativ - auch gerade für die Rentensysteme und Sparer. Das ist alles andere als "normal".
mirage122 20.09.2019
5. Das wird nicht das Ende sein!
"Sozial verträglicher Stellenabbau" -das klingt doch mal wieder richtig gut. Damit hat sich die Commerzbank doch schon einmal besonders hervorgetan. Die Banker-Szene ist mir nicht sonderlich vertraut, aber in dieser Angelegenheit tippe ich wieder einmal auf ein Einlenken der Regierung, was soviel heißt wie: Dann reichen wir doch mal wieder einige Milliönchen rüber! Der Steuerzahler wird's schon richten!
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