Jobkahlschlag Commerzbank streicht 9600 Stellen

Die Commerzbank baut rund jeden fünften Arbeitsplatz ab. Deutschlands zweitgrößte Bank streicht 9600 Stellen. Vorstandschef Martin Zielke will den Konzern in Richtung Digitalisierung umbauen.

Commerzbank-Chef Martin Zielke
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Commerzbank-Chef Martin Zielke


Bei der Commerzbank gehen noch mehr Arbeitsplätze verloren als erwartet. 9600 Vollzeitstellen werden in den kommenden Jahren gestrichen, teilte der Konzern mit. Dies sei Teil der strategischen und finanziellen Ziele bis 2020, die der Vorstand dem Aufsichtsrat vorgelegt hat und am Freitag beschließen werde. Damit fällt mehr als jede fünfte der zuletzt 45.000 Vollzeitstellen weg.

Es würden aber gleichzeitig auch 2300 neue Stellen "in Wachstumsfeldern" entstehen, sodass sich der Netto-Stellenabbau auf rund 7300 Vollzeitkräfte belaufe, teilte die Commerzbank Chart zeigen weiter mit. Die Restrukturierung werde rund 1,1 Milliarden Euro kosten. Dafür müssen die Aktionäre bis auf weiteres auf Dividenden verzichten. Die Bundesregierung will die Umbaupläne nicht kommentieren, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Der Bund hält einen Anteil von etwas mehr als 15 Prozent an der Bank.

Bereits in den vergangenen Tagen war durchgesickert, dass der Konzern 9000 Jobs streichen will. Der Kahlschlag erfolgt im Zusammenhang mit Umbauplänen des Konzerns unter dem Namen "Commerzbank 4.0". Vorstandschef Martin Zielke will die Bank zu einem "digitalen Technologieunternehmen" umbauen. Das Unternehmen werde sich "konsequent auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, 80 Prozent ihrer relevanten Prozesse digitalisieren und dadurch signifikante Effizienzgewinne erzielen", teilte die Commerzbank mit.

Rückzug aus Investmentbanking

Die Kernpunkte der neuen Strategie waren vor kurzem bekannt geworden und wurden nun von der Bank offiziell bestätigt. Konkret sollen aus den bislang vier Sparten der Commerzbank nur noch zwei werden: Firmenkunden sowie Privat- und Unternehmerkunden.

Dafür wird den Plänen zufolge das Geschäft mit großen Mittelständlern mit der weiter verkleinerten Investmentbank zusammengelegt. Die kleineren Unternehmen sollen künftig im Privatkunden-Segment betreut werden. Auch die polnische Tochter mBank, die bisher als eigenständige Sparte geführt wird, wird offenbar integriert. Im Investmentbanking will sich die Bank aus großen Teilen des Handels zurückziehen.

In der bisherigen Mittelstandsbank und im Kapitalmarktsegment müssen deshalb rund 700 Millionen Euro abgeschrieben werden, etwa auf eigene Software und Kundenbeziehungen. Dadurch sei im dritten Quartal mit einem Verlust zu rechnen, auch weil die Bank auf ihre Schiffskredite mehr abschreiben muss als zuletzt. Im Gesamtjahr 2016 will die Commerzbank aber noch einen kleinen Gewinn erzielen.

fdi/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 75 Beiträge
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calinopsis 29.09.2016
1. Toll..
Zuerst wurde die Bank mit Steuergeldern gerettet! Keiner der Bosse die die Pleite verursacht haben wurde entlassen! Dann haben Die sich einen Bonus von dem neuen Geld ausgezahlt und ihre Bezüge erhöht! Haben dann weiter gemacht! und jetzt werden die Kleinen entlassen,damit die Bosse ihren Job behalten können und WEITER verwirtschaften können!
chiefseattle 29.09.2016
2. schade
Da haben die vielen Milliarden, die der Steuerzahler auf Regierungsdruck in die failed bank investieren musste, leider nichts genutzt. Hauptsache die Chefetage behält ihren Job. Die Commerzbank ist ein Trauerspiel!
treuhand333 29.09.2016
3. Restrukturierung rund 1,1 Milliarden Euro ?
Das muss erst einmal erklärt werden. Bei dem Betrag für eine Restrukturierung, kann man auch gleich von versteckter Finanzhilfe denken. Nur zu schade, dass man sich auf Zahlenmaterial verlassen muss, das von den Übeltätern stammt.
moritz27 29.09.2016
4. Die
scheint bei den vermeintlichen Neukunden nicht so gut angekommen zu sein, wie man sich das in der Führungsetage und bei den Marketingleuten wohl erhofft hat. Vermutlich trifft der Stellenabbau wie immer die "kleinen" Mitarbeiter, die mit den Fehlentscheidungen des Managements der letzten Jahrzehnte nichts zu tun hatten. Vermutlich ist das, wenn sich an der Zinspolitik in Europa nicht doch noch etwas ändert, aber bereits der Anfang vom Ende.
eriatlov 29.09.2016
5. Bitter
für die "kleinen" Angestellten, die ihren Job verlieren. Sie werden nicht so schnell einen neuen Job finden, denn die Banken-Branche ist weltweit dabei, Personal einzusparen.
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