Commerzbank Übernahmegerüchte treiben Aktienkurs hoch

Das italienische Geldhaus Unicredit ist laut einem Agenturbericht an einem Einstieg bei der Commerzbank interessiert. Es spricht viel gegen einen solchen Deal - die Aktie des deutschen Instituts stieg dennoch.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
AP

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt


Es ist nur ein vages Gerücht - doch es treibt den Aktienkurs der Commerzbank in die Höhe: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters soll die italienische Bank Unicredit mittelfristig an einem Einstieg bei dem deutschen Geldhaus interessiert sein.

Im Reuters-Bericht heißt es unter Berufung auf zwei Insider, die Mutter der HypoVereinsbank habe gegenüber der Bundesregierung Interesse an dem Frankfurter Geldhaus signalisiert. Der Kontakt sei informell und in einem frühen Stadium.

Die Bundesregierung stehe einem möglichen Verkauf aufgeschlossen gegenüber, sagte einer der Insider zu Reuters. Die Italiener hätten Kontakt mit dem Finanzministerium in Berlin gehabt. Der Bund hält noch 15,6 Prozent an der Commerzbank, nachdem der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin in der Finanzkrise Commerzbank-Anteile für 5,1 Milliarden Euro übernommen hatte.

Die Aktien der Commerzbank stiegen am Mittwochnachmittag um bis zu 3,78 Prozent. Zum Börsenschluss blieb immerhin noch ein Plus von 1,75 Prozent.

Finanzministerium reagiert zurückhaltend

Die Hürden für einen Verkauf wären allerdings hoch. Beide Banken stecken mitten im Umbau und streichen Tausende von Stellen. Ein geplanter Verkauf der Commerzbank ins Ausland könnte zudem auf Widerstand in der Politik stoßen; schließlich ist sie einer der wichtigsten Finanziers des deutschen Mittelstands.

Obendrein würde der Bund seine Commerzbank-Aktien wohl niemals zum derzeitigen Kurs verkaufen. Damit der Ausstieg des Staates aus der Commerzbank nicht zum Verlustgeschäft gerät, müsste das Papier von Deutschlands zweitgrößter Bank deutlich an Wert gewinnen.

"Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Bund seine Beteiligung nicht für ewig halten wird und für den Steuerzahler ein gutes geschäftliches Ergebnis erzielen will", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums denn auch zu den Gerüchten. Eine Unicredit-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso die Commerzbank.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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Zukunft3.0 20.09.2017
1.
Wetten, dass der Steuerzahler hier kräftig draufzahlen muss. Ohne dem werden die Italiener den Deal nicht machen.Die wollen doch die schlechten Risiken nicht in ihre Bücher nehmen. Wäre doch dann kein lukratives Geschäft.
brohltaler 21.09.2017
2. Dritte Liga!
Die Verabschiedung Deutschlands aus der Großbankenszene, wenn man deutsche Institute denn bereits derzeit überhaupt noch dazu rechnen kann, nimmt ein beängstigendes Tempo auf. "Die Bundesregierung stehe einem Verkauf aufgeschlossen gegenüber." Wenn eine Anfrage einer total angeschlagenen Bank, deren Zusammenbruch ohne die europäisch unterstützten, staatlichen Eingriffe Italiens, längst Fakt wäre, eine solche Äußerung der Bundesregierung auslöst, dann sagt das alles über das Interesse Berlins an einem wahrnehmbaren internationalen Finanzplatz Frankfurt aus! Der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt gelingt es nicht nur nicht, wenigstens die rudimentär noch verbliebene Bankenszene zu konsolidieren, sondern der Zerfall einer einst einflussreichen und geachteten Zunft setzt sich ungebremst fort. Was das für Folgen für eine dann weitgehend von ausländischer Finanzierung abhängigen deutschen Wirtschaft haben kann, ist noch gar nicht abzusehen. Die strategischen Investitionsentscheidungen deutscher Großkonzerne jedenfalls, werden dann wohl zunehmend von ausländischen Geldhäusern vorgegeben. Dass diese dann naturgemäß bei solchen Entscheidungen zunächst einmal die Interessen des eigenen Wirtschaftsstandortes vor Augen haben, dürfte jedem einleuchten. Das nach wie vor von Seiten des deutschen Staates bevorzugte Fundament des deutschen Bankenwesens, die Sparkassen und Volksbanken, ziehen so viel Finanzkraft ab von den Instituten, die rein theoretisch in der Lage wären in einer internationalen Liga mithalten zu können, dass der Bedeutungsverlust deutscher Institute aller Voraussicht nach auch nicht aufgehalten werden kann. Es ist kein Zufall, dass die Länder, die im weltweiten Bankenkonzert, den Takt vorgeben, sich längst weitgehend von Kleininstituten verabschiedet haben. Das Ergebnis ist, dass sogar taumelnde Italienbanken mehr Gewicht auf die Waage zu bringen vermögen, wie eine einstmals erstklassig beleumdete Commerzbank. Um einmal gar nicht davon zu reden, dass es inzwischen möglich geworden ist, dass US-amerikanische Investmentbanken, wie GoldmanSachs oder J.P.Morgan, aber auch die franz. BNP Paribas oder die brit. Barclays, gar eine "nationale Bankeninstitution" wie die "Deutsche", wenn sie denn überhaupt noch als interessant erscheint, schlicht aus ihrer Portokasse bezahlen könnten.
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