Handelspartner des Mittelstands Deutsche Manager vertrauen Chinesen mehr als Briten

Zölle, Sanktionen, Handelskonflikte: Die deutschen Unternehmer ändern laut einer Umfrage ihre Präferenz. Die Manager machen demnach lieber Geschäfte mit China als mit den USA oder Großbritannien.

Containerhafen in Qingdao: Unternehmen sehen ihr Geschäft durch globale Handelskonflikte beeinträchtigt
Yu Fangping/ SIPA Asia/ ZUMA/ Wire/ DPA

Containerhafen in Qingdao: Unternehmen sehen ihr Geschäft durch globale Handelskonflikte beeinträchtigt


Die Volksrepublik wirkt auf Mittelständler inzwischen verlässlicher als traditionelle westliche Handelspartner. Das geht aus den Antworten von 2000 Führungskräften hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Commerzbank befragt hat. 30 Prozent der Manager schätzen die wirtschaftspolitischen Bedingungen in China als gut oder sehr gut ein. Nur Frankreich erhält mit 39 Prozent einen besseren Wert.

Den USA dagegen vertrauen lediglich 17 Prozent, Großbritannien sogar nur 8 Prozent, wie der Umfrage zu entnehmen ist, die dem SPIEGEL vorab vorlag. "Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen", sagt der Commerzbank-Vorstand Michael Reuther, zuständig für das Firmenkundengeschäft.

Die Unternehmen sehen laut Umfrage gegenwärtig ihr Geschäft vor allem durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, globale Handelskonflikte oder einen möglichen Brexit beeinträchtigt. "Viele Unternehmen halten sich wegen der geopolitischen Situation mit Auslandsinvestitionen zurück", sagt Reuther. Insbesondere die Türkei hat an Vertrauen verloren, ein Drittel der Firmen, die dort aktiv sind, will sich laut der Umfrage von dem Standort sogar zurückziehen.

Lieber mit China

Fast zwei Drittel der befragten Mittelständler rechnen für die kommenden zwei Jahre damit, dass die Konjunktur eintrübt. Ein ähnlicher Anteil an Firmen aus dem Auto- und Mobilitätssektor fürchten negative Konsequenzen aus der Dieselkrise. Den Klimawandel betrachtet vor allem die Ernährungsindustrie als Gefahr.

Grundsätzlich aber setzten die Unternehmen laut der Studie weiter auf Internationalisierung. Mehr als die Hälfte liefert Waren oder Dienstleistungen ins Ausland, vorwiegend in den Euroraum, im verarbeitenden Gewerbe sind es sogar 77 Prozent. Der Anteil ist seit Jahren relativ stabil. Als Hemmnisse im Auslandsgeschäft nennen die Mittelständler bürokratische Anforderungen, aber auch schwankende Rohstoffpreise, insbesondere die Ernährungs- und Genussmittelindustrie leidet darunter. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in Schwellenländern aktiv sind, fürchtet Währungskrisen.

aju, mmq

insgesamt 22 Beiträge
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merlin 2 27.05.2019
1. Mit den AMIs unter Trump ist Handel kaum noch denkbar!
Mit den AMIs unter Trump ist Handel in Zeiten (w)irrer Zollerhöhungen und sonstiger Handelshemmnisse ja auch kaum noch möglich! Wer sich nicht umorientiert, ist verloren. Die Chinesen sind zwar auch nicht nur am gegenseitigen Wohlergehen interessiert, sind aber als Handelspartner deutlich stabiler und damit zuverlässiger.
Augustusrex 27.05.2019
2. Na ja
Der eine ist einen Groschen wert, der andere zehn Pfennige. Man muss in beide Richtungen äußerst aufmerksam und vorsichtig agieren.
darthmax 27.05.2019
3. freier Handel
wir vertrauen unseren FCKW Klimazerstörern mehr als unseren US Partnern. Man kann wohl anderer Meinung sein, insbesondere wenn man hautnah miterlebt , wie Produkte kopiert werden, die dann auf den Weltmarkt gebracht werden, gegen unsere Mittelständler.
mantrid 27.05.2019
4. Nur Verlässlichkeit zählt
Wer will schon gern mit Ländern Geschäfte machen, bei denen die Regierungsverantwortlichen zuverlässig unzuverlässig sind? Handel hat auch immer etwas mit Vetrauen zu tun. Dafür stehen die USA und GB doch noch richtig gut da.
birdie 27.05.2019
5. Das Verhalten der Manager scheint darauf hinzudeuten, dass ...
sie sich mit rationalem Kalkül lieber auf vertragstreue Partner verlassen, als an den wirren Aktionen der "vom Klammerbeutel gepuderten" Show-Stars in den USA und GB Gefallen zu finden. Sic transit gloria mundi ist hier schon jetzt ein geeigneter Nachruf.
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