Commerzbank und Deutsche Bank Das selbst verschuldete Bankenbeben

Die beiden großen Institute Deutsche Bank und Commerzbank geraten massiv unter Druck. Schuld daran sind nicht nur die Niedrigzinsen, sondern vor allem gravierende Managementfehler.
Frankfurter Bankenviertel

Frankfurter Bankenviertel

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Wenn es ums Jammern geht, gehören die deutschen Banken immer noch zu den Größten. Kaum eine Woche vergeht, in der sie sich nicht über das "schwierige Umfeld" aus Niedrigzinsen und verschärfter Regulierung beklagen - und so die eigenen Misserfolge zu erklären versuchen.

Dabei dürfte spätestens seit dieser Woche klar sein, dass die beiden größten Institute des Landes - die Deutsche Bank   und die Commerzbank   - in einer dramatischen Krise stecken, deren Ursachen zum guten Teil hausgemacht sind.

Die Investoren scheinen gerade jegliches Vertrauen in die beiden deutschen Großbanken verloren zu haben. An der Börse hat die Commerzbank in den vergangenen zwölf Monaten gut 56 Prozent an Wert verloren. Bei der Deutschen Bank beträgt das Minus sogar 64 Prozent. Beide Institute gehörten beim jüngsten Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA zu den zehn schlechtesten von insgesamt 51 Teilnehmern.

Natürlich hat das auch mit den Niedrigzinsen zu tun, die den Banken generell das Geldverdienen schwer machen. Und natürlich gibt es auch andere Banken, die Probleme haben, wie etwa die italienische Unicredit   oder die Credit Suisse   aus Zürich.

Doch die Schwäche der beiden einzigen großen deutschen Finanzinstitute ist erstens augenfällig und zweitens nicht allein durch widrige Umstände zu erklären. Es waren vor allem Managementfehler, die die Commerzbank und die Deutsche Bank dort hingebracht haben, wo sie heute stehen - oder besser gesagt: wo sie wanken.

Ein Vorbild kommt ausgerechnet aus Italien

Die Deutsche Bank etwa hat viel zu lange am Traum des früheren Konzernchefs Anshu Jain und des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner festgehalten, nach der Finanzkrise zu einer der weltweit führenden Investmentbanken aufzusteigen.

Dabei haben die Konzernoberen ignoriert, dass ein großer Teil der früheren Erfolge in diesem Bereich durch Praktiken zustande gekommen ist, die heute - gelinde gesagt - nicht mehr gerne gesehen werden. Nicht umsonst musste die Deutsche Bank seit 2012 fast 13 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten aufwenden, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Es hätte den Managern also dämmern können, dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher.

Die Commerzbank dagegen beging ihren Grundfehler schon 2008, als sie mitten in der Finanzkrise die mit toxischen Papieren beladene Dresdner Bank übernahm. Unter den Folgen leidet sie noch heute. Auch die Entscheidung, groß in das Geschäft mit Schiffsfinanzierungen einzusteigen, erwies sich als Irrweg. Beides waren Entscheidungen, die maßgeblich vom früheren Vorstandschef Klaus-Peter Müller verantwortet wurden, der immer noch an der Spitze des Aufsichtsrats steht.

Dass es nicht das Schicksal einer Bank sein muss, in Zeiten von Niedrigzinsen und schärferer Regulierung in die Existenzkrise zu rutschen, zeigen mehrere Beispiele, auch aus Europa. Das der Schweizer UBS etwa, oder das der niederländischen ING  , die im zweiten Quartal dieses Jahres rund 1,3 Milliarden Euro verdiente.

Und sogar die italienische Großbank Intesa Sanpaolo zeigt den deutschen Häusern, wie es geht: Sie gehörte nicht nur im Stresstest zu den besten Banken, sondern schaffte im zweiten Quartal trotz Wirtschaftskrise im Heimatmarkt immerhin noch einen Gewinn von gut 900 Millionen Euro. Das war rund 20 Mal so viel wie die Deutsche Bank.

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