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27. September 2016, 19:19 Uhr

Stellenabbau bei der Commerzbank

Operation Kahlschlag

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Mit einem riesigen Stellenabbau will die Commerzbank aus der Krise kommen - aber ob das gegen Niedrigzinsen hilft? Die Bank, die einst große Ambitionen hatte, schrumpft weiter in Richtung Sparkassen-Niveau.

Hauptsache, nicht so schlimm wie bei der Deutschen Bank - mit dieser Devise hat man sich bei der Commerzbank lange selbst getröstet. Klar, es lief nicht gut , aber da drüben, in den beiden glänzenden Bankentürmen, die einst den Stolz der deutschen Wirtschaft verkörperten, lief es doch noch viel schlechter, oder?

Diese Denkweise sagt viel aus über das Selbstverständnis einer Bank, die noch vor einigen Jahren die zweite große Macht in der deutschen Finanzbranche sein wollte - und sich mittlerweile mit einer Rolle als größere Sparkasse begnügt. Auch die neue Strategie, die Vorstandschef Martin Zielke an diesem Mittwoch dem Aufsichtsrat und am Freitag der Öffentlichkeit präsentieren will, scheint daran nichts zu ändern.

Im Gegenteil: Alles, was bisher aus dem Umfeld der Bank zu den Plänen verlautet, klingt eher nach noch mehr Blut, Schweiß und Tränen als nach alter Größe:

Mit dem Spar- und Umbauprogramm reagiert der erst seit Mai amtierende Konzernchef Zielke auf eine ganze Reihe von Problemen.

Um mit diesem Wandel schrittzuhalten, wird die Bank sehr viel Geld einsetzen müssen - auch deshalb wird beim Personal gespart. Die meisten der gut tausend Filialen in Deutschland sollen zwar erhalten bleiben, doch ihre Rolle dürfte sich stark verändern. Einige werden wohl erheblich verkleinert, andere zu Vorzeigefilialen ausgebaut werden. Zielke sieht sie künftig vor allem als "Service- und Beratungspunkte".

Ob das alles ausreichen wird, um die Wende bei der Commerzbank zu schaffen, ist offen. Die ersten Details, die bisher durchgesickert sind, haben die Investoren jedenfalls offenbar nicht überzeugt. Der Aktienkurs fiel am Dienstag um weitere 2,2 Prozent auf 5,91 Euro. Mitte 2007 war die Bank noch fast 40 Mal so viel wert wie heute.

Zusammengefasst: Die Commerzbank steckt in der Krise. Niedrigzinsen und hohe Kosten machen ihr das Überleben schwer. Der neue Konzernchef Martin Zielke will in dieser Woche eine neue Strategie vorstellen: Dazu gehören ein riesiger Stellenabbau, aber auch Investitionen in die Digitalisierung der Bank.

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