Stellenabbau bei der Commerzbank Operation Kahlschlag

Mit einem riesigen Stellenabbau will die Commerzbank aus der Krise kommen - aber ob das gegen Niedrigzinsen hilft? Die Bank, die einst große Ambitionen hatte, schrumpft weiter in Richtung Sparkassen-Niveau.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Hauptsache, nicht so schlimm wie bei der Deutschen Bank - mit dieser Devise hat man sich bei der Commerzbank lange selbst getröstet. Klar, es lief nicht gut , aber da drüben, in den beiden glänzenden Bankentürmen, die einst den Stolz der deutschen Wirtschaft verkörperten, lief es doch noch viel schlechter, oder?

Diese Denkweise sagt viel aus über das Selbstverständnis einer Bank, die noch vor einigen Jahren die zweite große Macht in der deutschen Finanzbranche sein wollte - und sich mittlerweile mit einer Rolle als größere Sparkasse begnügt. Auch die neue Strategie, die Vorstandschef Martin Zielke an diesem Mittwoch dem Aufsichtsrat und am Freitag der Öffentlichkeit präsentieren will, scheint daran nichts zu ändern.

Im Gegenteil: Alles, was bisher aus dem Umfeld der Bank zu den Plänen verlautet, klingt eher nach noch mehr Blut, Schweiß und Tränen als nach alter Größe:

  • Rund 9000 Stellen sollen in den kommenden Jahren wegfallen. Das wäre etwa jeder fünfte Job im Unternehmen, das bisher auf rund 51.000 Mitarbeiter und 45.000 Vollzeitstellen kommt. Am stärksten wird es wohl das sogenannte Backoffice treffen, also jene Bereiche, in denen Menschen Büroarbeiten erledigen, die künftig entweder von Computern erledigt oder an externe Firmen ausgelagert werden sollen. Offenbar will die Bank ihre überschüssigen Mitarbeiter vor allem über Abfindungsangebote loswerden. Ob sie ganz um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen wird, ist allerdings fraglich.
  • Die bisherige Mittelstandsbank soll zerschlagen werden. Die kleinen Firmenkunden werden dabei dem bisherigen Privatkundengeschäft zugeordnet. Die größeren Unternehmen werden mit der Investmentbanking-Sparte zusammengelegt. Auch dort dürfte ein guter Teil des Stellenabbaus anfallen. Von Teilen des Zockergeschäfts will sich die Bank offenbar trennen.
  • Nachdem die Bank in diesem Jahr erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Dividende an die Aktionäre gezahlt hat, werden die in den kommenden Jahren wohl wieder leer ausgehen. Für solche Ausschüttungen von rund 250 Millionen Euro pro Jahr ist schlicht kein Geld da.

Mit dem Spar- und Umbauprogramm reagiert der erst seit Mai amtierende Konzernchef Zielke auf eine ganze Reihe von Problemen.

  • Zum einen machen der Commerzbank die extremen Niedrigzinsen besonders stark zu schaffen. Die Strategie der Bank zielte in den vergangenen Jahren vor allem darauf ab, neue Privatkunden zu gewinnen, die ein Konto bei ihr eröffnen, und Kredite für mittelständische Unternehmen bereitzustellen. Mit beidem lässt sich in Zeiten von Null- und Negativzinsen kaum mehr Geld verdienen. Konzernchef Zielke geht davon aus, dass dies erst einmal so bleiben wird.
  • Zudem leidet die Commerzbank bisher unter extrem hohen Kosten. Für jeden Euro Ertrag musste sie im ersten Halbjahr 79 Cent aufwenden - ein auch im Branchenvergleich sehr hoher Wert. Der Stellenabbau könnte die jährlichen Kosten nun um rund eine Milliarde Euro drücken, schätzen Analysten. "Der Abbau ist überfällig", sagt ein Kenner der Bank. "Kein Teil ist schlank, alles ist überdimensioniert."
  • Auch ihre schlechte und veraltete IT machte der Bank in den vergangenen Jahren zu schaffen. Ein Problem, das mittlerweile zumindest erkannt wurde. Vorstandschef Zielke sagte der gesamten Branche jüngst einen "brutalen, schnellen und radikalen" Wandel voraus. "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden."

Um mit diesem Wandel schrittzuhalten, wird die Bank sehr viel Geld einsetzen müssen - auch deshalb wird beim Personal gespart. Die meisten der gut tausend Filialen in Deutschland sollen zwar erhalten bleiben, doch ihre Rolle dürfte sich stark verändern. Einige werden wohl erheblich verkleinert, andere zu Vorzeigefilialen ausgebaut werden. Zielke sieht sie künftig vor allem als "Service- und Beratungspunkte".

Ob das alles ausreichen wird, um die Wende bei der Commerzbank zu schaffen, ist offen. Die ersten Details, die bisher durchgesickert sind, haben die Investoren jedenfalls offenbar nicht überzeugt. Der Aktienkurs fiel am Dienstag um weitere 2,2 Prozent auf 5,91 Euro. Mitte 2007 war die Bank noch fast 40 Mal so viel wert wie heute.

Zusammengefasst: Die Commerzbank steckt in der Krise. Niedrigzinsen und hohe Kosten machen ihr das Überleben schwer. Der neue Konzernchef Martin Zielke will in dieser Woche eine neue Strategie vorstellen: Dazu gehören ein riesiger Stellenabbau, aber auch Investitionen in die Digitalisierung der Bank.

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