Angeschlagener Ferienflieger Staat will Condor mit 380 Millionen Euro helfen

Die Bundesregierung und das Land Hessen springen Condor nach der Pleite der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit bei. Die Fluggesellschaft soll über sechs Monate 380 Millionen Euro erhalten.

Condor-Maschine in Berlin: Überbrückungskredit
Patrick Pleul / DPA

Condor-Maschine in Berlin: Überbrückungskredit


Im Ringen um die Rettung der von der Pleite bedrohten Airline Condor haben die zuständigen Ministerien einen Überbrückungskredit beschlossen. Der Staat will die Fluggesellschaft mit einem Betrag von 380 Millionen Euro unterstützen. Das bestätigte der Konzern in einer Pressemitteilung.

"Die Condor Flugdienst GmbH hat heute von der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung die Zusage über eine Bürgschaft für einen sechsmonatigen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro erhalten", heißt es darin.

Ausgezahlt werde der Betrag aber noch nicht. Zunächst müsse die Europäische Kommission den Kredit prüfen. Erst dann könne der Betrag ausgezahlt werden, heißt es. Wann das der Fall ist, könne noch nicht gesagt werden.

Auch Kanzleramt an der Entscheidung beteiligt

Als Begründung für das staatliche Darlehen nannte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), dass es die Möglichkeit gebe, "viele Arbeitsplätze" der fast 5000 Jobs bei Condor dauerhaft zu erhalten. Mit Condor seien derzeit 240.000 Reisende aus Deutschland an ihren Urlaubsorten. Diesen könne es ermöglicht werden, zu "annehmbaren Konditionen" zurückzukehren.

An der schwierigen Entscheidung, wie Altmaier sagte, sei neben dem Finanz- und Verkehrsministerium auch das Kanzleramt beteiligt gewesen. Condor könne den Flugbetrieb fortsetzen und sich so strukturieren, dass das Unternehmen am Markt bestehen könne. Die Firma habe eine Perspektive, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und den Kredit zurückzuzahlen.

Als nächster Schritt solle ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eröffnet werden, teilte das Unternehmen mit. De facto meldet Condor damit Insolvenz in Eigenverwaltung an. Diese wird genehmigt, wenn eine Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist. Dadurch wolle sich Condor von möglichen Forderungen der englischen Konzernmutter befreien und man erlange "die volle Unabhängigkeit von der Thomas Cook plc", sagte Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Hälfte Bund, Hälfte Hessen

Wegen der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns hatte die bislang profitable Condor einen Überbrückungskredit beantragt, um "Liquiditätsengpässe" zu verhindern. Condor, das etwa 4900 Mitarbeiter beschäftigt, setzt den Flugbetrieb wie geplant fort.

Bereits vor der Kreditzusage hatte die hessische Landesregierung Unterstützung für Condor in Aussicht gestellt. "Wir haben ein bewährtes Verfahren in solchen Konstruktionen. Der Bund nimmt die Hälfte und die betroffenen Länder nehmen die andere Hälfte", sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) dem Hessischen Rundfunk. "Da Condor ja ein hessisches Unternehmen ist, wäre die andere Hälfte für das Land Hessen."

Condor wurde 1955 gegründet und ging vor zehn Jahren in den Konzern Thomas Cook über. Einen Kommentar zu dem Thema lesen Sie hier.

Neben Condor beantragte auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook einen Überbrückungskredit. Er ist ebenfalls durch die Pleite der britischen Muttergesellschaft in Bedrängnis geraten. Die Tochter ist nicht insolvent. "Wir tun alles in unser Macht stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern", sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung. Der Verkauf von neuen Reisen bleibt gestoppt.

mkl/hba/dpa/Reuters

insgesamt 141 Beiträge
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Seite 1
tcq 24.09.2019
1. Prima!
Wahrscheinlich will die Bundesregierung unschöne Bilder vermeiden, das darf was kosten, bzw. Kosten egal...
mynonys22 24.09.2019
2. demnächst
Privatinsolvenz wird Staatlich bezuschusst...
cph4 24.09.2019
3. na
toll und wieder werden Gelder verbrannt.die sollten mal lieber urlaub in der heimat machen,hier ist es auch schön
inji 24.09.2019
4. Passt bestens...
...zum Klimapaket.
weltverbesserer75 24.09.2019
5.
Das ist wohl ein Anhang zum sogenannten Klimapaket der Bundesregierung. Statt Flüge teurer zu machen, gibt es nun "Fliegen auf Staatskosten". Condor wäre ohne die Gäste von Thomas Cook wohl kaum rentabel, ansonsten hätte sich ein Interessent gefunden, als Thomas Cook versuchte, Condor zu verkaufen.
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