Thomas-Cook-Krise Drei mögliche Käufer für Condor

Investor oder Ende: Seit der Pleite von Thomas Cook steht der Ferienflieger Condor zum Verkauf. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es drei Interessenten – eine polnische Airline und zwei Finanzinvestoren.
Das waren noch Zeiten: Ein Condor-Flieger im Dienst von Thomas Cook

Das waren noch Zeiten: Ein Condor-Flieger im Dienst von Thomas Cook

Foto: AMR ABDALLAH DALSH/ REUTERS

Im Rennen um die Übernahme der ehemaligen Thomas-Cook-Tochter Condor zeichnen sich nach SPIEGEL-Informationen drei Favoriten ab. Neben dem amerikanischen Finanzinvestor Apollo zählt die polnische Fluglinie LOT sowie die britische Investmentfirma Greybull zu den ernsthaften Interessenten. Alle drei haben laut Insidern Interesse bekundet, die Fluglinie zu übernehmen, die derzeit im Schutzschirmverfahren weiterbetrieben wird.

Kommende Woche müssen bindende Angebote abgegeben werden, dann erfolgt eine verschärfte Einzelprüfung der Kandidaten. Die beiden Finanzinvestoren wollen die Vorgänge nicht kommentieren, LOT reagierte nicht auf eine SPIEGEL-Anfrage.

Das sind die Konzepte und Aussichten der drei Bewerber:

  • Apollo will dem Vernehmen nach Condor gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern übernehmen. Diese bangen darum, dass im Sommer ausreichend Flugkapazitäten im deutschen Markt verfügbar sind. Allerdings sollen sie nur einen vergleichsweise geringen Finanzbeitrag leisten und ihre Kunden im Gegenzug bevorzugt mit der Condor befördern. Mittelfristig, heißt es in Verhandlungskreisen, könne Apollo den Chartercarrier womöglich sogar an die Börse bringen.

  • Die polnische Linienfluggesellschaft LOT wiederum könnte durch den Kauf der Condor erstmals eine kritische Größe bekommen, um sich allein am Markt zu behaupten. Mit Hilfe der Condor könnte sie ihr Langstreckennetz um Feriendestinationen erweitern. Unklar scheint jedoch, wie die LOT-Manager eine Verzahnung zwischen ihrer Hauptverkehrsdrehscheibe in Warschau und der auf den deutschen Markt ausgerichteten Condor bewerkstelligen wollen.

  • Greybull wiederum gilt unter den drei Interessenten laut Insidern als am wenigsten aussichtsreich, wenngleich das Konzept möglicherweise dem von Apollo ähneln könnte.

Unterdessen befinde sich der Verkaufsprozess auf einem guten Weg, berichten Insider. Die Buchungslage bei Condor sei stabil, wenngleich sich mittelfristig eine Abkühlung erkennen lasse. Ebenfalls positiv wird die Chance gewertet, dass der vom Bund und dem Land Hessen gewährte Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro fristgerecht im April zurückgezahlt werden kann.

Die Zahlungen für alle Buchungen, die nach dem 1. April stattfinden, werden schon jetzt auf ein Treuhandkonto eingezahlt, um die Passagiere abzusichern. Diese Summe dürfte bereits einen substanziellen Teil des gewährten Darlehens abdecken.

Condor war im vergangenen Sommer mit der Pleite der Muttergesellschaft Thomas Cook in Schieflage geraten, obwohl sie selbst profitabel arbeitete. Seit Dezember arbeitet sie in Eigenverwaltung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens, ein Sonderfall im deutschen Insolvenzrecht. Damit hat die Airline Zeit gewonnen, in der nicht alle Gläubiger bedient werden müssen. Im Idealfall kann sie bis zur Gläubigerversammlung am 5. März einen neuen Investor vorweisen.

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