Fluggesellschaft in der Coronakrise Staat stützt Condor mit 550-Millionen-Euro-Kredit

Bund und Land wollen Condor mit Staatshilfen durch die Coronakrise helfen. Die EU-Kommission hat den Plan nun gebilligt. Doch mit Lufthansa gibt es eine weitere große Herausforderung.
Condor-Maschine 2019 in Stuttgart: "Dankbar für Unterstützung"

Condor-Maschine 2019 in Stuttgart: "Dankbar für Unterstützung"

Foto: RONALD WITTEK/EPA-EFE/Shutterstock

Der Staat hält den Ferienflieger Condor in der Coronavirus-Krise mit rund einer halben Milliarde Euro Finanzhilfe am Leben. Die Airline erhalte aus dem Corona-Schutzschild-Programm ein Darlehen über 294 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit . Der staatliche Überbrückungskredit, durch den Condor nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook im Herbst der Insolvenz entging, werde mit 256 Millionen Euro refinanziert.

Neben dem Bund springt auch das Land Hessen der Fluggesellschaft bei. Die EU-Kommission habe die Beihilfen bereits genehmigt. Deutschland könne Condor einen Teil der Corona-bedingten Einbußen ersetzen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten um Lösungen, wie Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten im Einklang mit den EU-Beihilfevorschriften unterstützt werden können."

Die neuerliche Rettung der Condor war im Verlauf der Coronakrise notwendig geworden: Die polnische Luftfahrt-Holding PGL hatte die bereits im Januar vereinbarte Übernahme des deutschen Ferienfliegers wegen eigener Probleme abgesagt. Das Frankfurter Unternehmen Condor mit rund 4900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen war nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook zudem bereits im September 2019 in ein Schutzschirmverfahren gegangen.

Zweimal in einem halben Jahr in Not geraten

Condor hatte zur Unterstützung im Herbst 2019 einen vom Bund und Land Hessen verbürgten Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro bekommen. Dieser KfW-Kredit wird laut Condor durch die neue Linie vollständig abgelöst. Dem Unternehmen zufolge war dafür mit 256 Millionen Euro der kleinere Teil des neuen Kredits aufzuwenden.

Condor sei zweimal innerhalb knapp eines halben Jahres unverschuldet in Not geraten, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup. "Wir sind der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung sehr dankbar für ihre Unterstützung." Vor der Coronakrise galt der Ferienflieger Condor besonders wegen seines Angebots zu touristischen Langstreckenzielen als unentbehrlich für die Reisebranche. Mit dem fortgesetzten Stillstand erwarten aber die meisten Experten, dass sich der internationale Luftverkehr eher langsam erholen wird.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begründete die weitere Unterstützung für Condor mit guten Aussichten für die Airline: "Das Unternehmen war in normalen Zeiten operativ gesund und profitabel und hat eine gute Zukunftsperspektive", sagte der CDU-Politiker. Vertreter des Landes Hessen bekundeten ihr starkes Interesse, dass Condor als großer Arbeitgeber am Frankfurter Flughafen die Krise überlebt.

Altmaier lässt Frage nach Staatshilfen für Lufthansa offen

Die Frage über mögliche Staatshilfen für die in der Coronakrise ebenfalls angeschlagene Lufthansa lässt Altmaier bislang jedoch offen, die Verhandlungen laufen, es geht um ein milliardenschweres Rettungspaket. Die Lufthansa war wegen der massiven Flugabsagen in Schwierigkeiten geraten. Der Konzern hatte am Donnerstag erklärt, dass man sich nicht mehr aus eigener Kraft retten könne.

Über die Lufthansa werde in der Bundesregierung entschieden, wenn alle Fakten auf dem Tisch lägen und die Lufthansa Hilfen beantragt habe, sagte Altmaier Deutschlandfunk. Er sagte aber auch: "Wir wollen, dass große und bedeutende Unternehmen, die auf dem Weltmarkt eine Rolle spielen, auch nach der Krise weiterhin wettbewerbsfähig sind." Unternehmen wie Lufthansa müssten wieder auf die Beine kommen können. Wenn staatliche Hilfe an gleich welches Unternehmen gezahlt werde, dürften die Konzerne dann aber keine Dividenden ausschütten und müssten mit Bonuszahlungen sehr zurückhaltend sein.

apr/dpa/Reuters
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