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10. Mai 2012, 09:42 Uhr

Solarenergie

Chinesen wollen sich an Conergy beteiligen

Die Chinesen sind den meisten Solarfirmen aus der Bundesrepublik überlegen - und drängen zusehends auf den deutschen Markt: Laut "Financial Times Deutschland" will ein Hersteller nun bei der Hamburger Firma Conergy einsteigen.

Hamburg - Conergy steht offenbar vor einem Teilverkauf nach China. Das angeschlagene Hamburger Solarunternehmen komme einem Vertrag mit einem chinesischen Solarkonzern näher, der knapp 30 Prozent der Aktien übernehmen will, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Bei dem Interessenten handele sich um einen Hersteller von Solartechnik, der Teil eines Firmenkonglomerats ist. Der chinesische Staat sei nicht beteiligt, einige Manager seien aber regierungsnah. Mit einem Abschluss sei bis zum Sommer zu rechnen. "Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann", zitiert die Zeitung einen Insider.

Eine Sprecherin des Unternehmens sagte auf Anfrage: "Wir sind interessant für eine Reihe asiatischer Konzerne. Anfragen kommen da immer mal wieder, und zwar vertraulich." Ein Deal stehe nicht unmittelbar bevor. Nach einer massiven Umschuldung sind bei Conergy derzeit zahlreiche Hedgefonds an Bord.

Die deutsche Solarbranche steht mit dem Preisverfall und einer geringeren Nachfrage massiv unter Druck. Einige Unternehmen wie Solon oder Q-Cells mussten Insolvenz anmelden. Conergy konnte im vergangenen Jahr nur mit einer Umschuldung die Gefahr einer Pleite abwenden. Für die Hamburger würde der Einstieg der Chinesen frisches Geld bringen, vor allem zur Zwischenfinanzierung großer Solarprojekte. Conergy hatte sich aus der Produktion von Solarzellen vor Kurzem zurückgezogen und fokussiert sich nun auf Module. Von einer Partnerschaft mit einem Zulieferer, bei dem es günstig einkaufen könnte, würde das Unternehmen profitieren.

Besonders teuer werde der Deal für die Chinesen nicht, schreibt die "FTD". Wegen des niedrigen Börsenwerts gehe es um eine Kaufsumme von rund 30 Millionen Euro. Conergy schreibt seit 2006 netto Verluste. Für die Chinesen sei das Unternehmen wegen der Marke interessant. Conergy habe zudem ein gutes Vertriebsteam in Europa und anderen Solarländern wie Indien.

Solarworld und SMA starten mit Gewinnen ins Geschäfstjahr

Während zahlreiche Solarfirmen wegen der geplanten Förderkürzung mit der Pleite kämpfen, legten am Donnerstag gleich zwei Brancheriesen positive Zahlen vor. Solarworld profitierte zum Jahresauftakt von einer Sonderkonjunktur vor den anstehenden Förderkürzungen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte in den ersten drei Monaten um rund 13 Prozent auf 31,5 Millionen Euro zu. Der Umsatz dagegen sank im Jahresvergleich von 233 auf 170 Millionen Euro. Als Grund für die Einbußen nannte Konzernchef Frank Asbeck einen Nachfragerückgang bei Solarwafern, einem Vorprodukt von Solarmodulen.

Auch der Solartechnikhersteller SMA Solar legte einen blendenden Start ins Geschäftsjahr 2012 hin. Das TecDax -Unternehmen setzte im ersten Quartal 405,0 Millionen Euro um, 58 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2011. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 29,6 Millionen Euro, das waren knapp dreimal so viel wie im ersten Quartal 2011.

Die große Nachfrage im ersten Quartal sei unter anderem auf die Diskussion um weitere Förderkürzungen zurückzuführen, betonte SMA-Vorstandsprecher Pierre-Pascal Urbon am Donnerstag. Allerdings werde die Nachfrage im Jahresverlauf sinken. In Deutschland entscheidet am Freitag der Bundesrat über eine Kürzung der Solarförderung. SMA teilte mit, derzeit sei nicht absehbar, ob die Solarmärkte in Amerika und Asien den erwarteten Rückgang in Europa kompensieren könnten.

ssu/dpa-AFX

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