Nach Corona-Ausbruch in Fleischfabrik Clemens Tönnies lehnt Rücktritt ab

Der Miteigentümer will trotz massiver Kritik auch aus dem eigenen Unternehmen die Verantwortung für die Corona-Fälle im Schlachthof bei Gütersloh übernehmen. Er werde das "Unternehmen aus der Krise führen".
"Ich mach' mich nicht aus dem Staub": Unternehmer Clemens Tönnies

"Ich mach' mich nicht aus dem Staub": Unternehmer Clemens Tönnies

Foto: David Inderlied/ dpa

Unternehmer Clemens Tönnies hat Spekulationen über seinen Rücktritt nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem seiner Schlachthöfe zurückgewiesen. "Ich werde dieses Unternehmen aus dieser Krise führen", sagte der 64-Jährige bei einer Pressekonferenz in Rheda-Wiedenbrück. Er ergänzte: "Und dann sehen wir weiter. Ich mach' mich nicht aus dem Staub."

Im seit Jahren geführten Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb hatte zuvor Robert Tönnies seinen Onkel Clemens in einem Brief aufgefordert, den Weg freizumachen. Dessen Sohn Max Tönnies solle die Arbeit in der Geschäftsführung übernehmen. Außerdem forderte Robert Tönnies die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung.

Clemens Tönnies räumte bei der Pressekonferenz allerdings ein, dass es kein Weiter-so geben könne. Er versprach: "Wir werden diese Branche verändern. Nicht nur aus Erkenntnis dieser Epidemie." Co-Konzernchef Andres Ruff sagte, sie würden alles tun, um "die Bevölkerung zu schützen". Clemens Tönnies wolle nun alles tun, um den Ausbruch einzudämmen. "Ich stehe in der Verantwortung", so der 64-Jährige weiter.

"Datenschutzrechtliche Probleme"

Vorwürfe des Landkreises Gütersloh, bei der Beschaffung von Wohnadressen der Mitarbeitenden unkooperativ gewesen zu sein, warf Clemens Tönnies zurück. "Wir haben datenschutzrechtliche Probleme", sagte er. Laut Werkvertragsrecht dürfe das Unternehmen die Adressen der betreffenden Arbeiter nicht speichern. Co-Konzernchef Andreas Ruff fügte hinzu: "Wir haben alle Daten, die wir hatten, sofort an die Behörden weitergegeben."

Das Verhältnis zwischen dem Kreis Gütersloh, in dem der betroffene Standort liegt, und der Firma Tönnies ist derweil zerrüttet. "Das Vertrauen, das wir in die Firma Tönnies setzen, ist gleich null. Das muss ich so deutlich sagen", sagte der Leiter des Krisenstabes, Thomas Kuhlbusch. Der Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis berichtete zudem, dass Tönnies bis Freitag Listen der Beschäftigten geliefert hatte, bei denen bei 30 Prozent die Adressen fehlten. Bei Anfragen habe die Firma zögerlich reagiert.

Am Samstag wurde der Betrieb für 14 Tage geschlossen, zu diesem Zeitpunkt waren 1029 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden.

pem / dpa / AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.