Corona-Ausbruch bei Tönnies NRW-Gesundheitsminister Laumann erwägt wieder mehr Kontaktsperren

In Ostwestfalen droht nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikant Tönnies ein regionaler Lockdown. Tausende sind in Quarantäne, der NRW-Gesundheitsminister spricht über mögliche weitere Verschärfungen.
Tönnies-LKW in Rheda-Wiedenbrück: Lockdown in der Luft

Tönnies-LKW in Rheda-Wiedenbrück: Lockdown in der Luft

Foto: David Inderlied/ dpa

Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Deutschlands größtem Fleischproduzenten Tönnies in Nordrhein-Westfalen zeichnen sich weitere Schritte zur Eindämmung des Infektionsherdes ab. Fachleute des Robert Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh nach Angaben der Behörden im Einsatz.

Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat nun angekündigt, dass es möglicherweise wieder mehr Kontaktsperren im Kreis Gütersloh geben wird. "Was wir heute überlegen, ob wir unter Umständen auch wieder im Bereich von Kontaktsperren mehr machen", sagte der CDU-Politiker in einem Interview mit dem Sender Bayern 2. Er sagte: "Die passenden Schritte werden wir auch sicherlich heute verkünden und der Ministerpräsident wird sich heute auch zu dem Thema äußern."

Laumann: "Wir sind mitten in einem Lockdown"

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte: Den Empfehlungen der Experten "folgen weitere Maßnahmen". Laschet will sich um 10.30 Uhr öffentlich über die aktuelle Lage der Coronavirus-Pandemie in seinem Bundesland äußern. Nach dem Ausbruch in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück mit nachweislich inzwischen mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern, hatte unter anderem SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zuletzt einen kurzen Lockdown mit massiven Tests gefordert. Er warnte vor einem freien Reiseverkehr der Menschen aus der Region Gütersloh.

Der Landrat des Kreises, Sven-Georg Adenauer, hält einen Lockdown in der Region für vorstellbar. "Ich würde sagen, Ja", sagte der CDU-Politiker auf die Frage, ob es nach einem Lockdown "rieche". Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. "Insofern ist das für mich schon eine neue Situation." Die mobilen Teams hätten einige positive Fälle bei ihrem Einsatz gefunden. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Ausbruch nicht mehr nur auf die Beschäftigten der Fleischfabrik begrenzt ist.

Laschets Gesundheitsminister Laumann gab in dem Bayern-2-Interview zumindest eine Vorahnung dessen, welche Schritte nun drohen. Laumann sagte, dass die derzeitige Situation im Kreis Gütersloh einem Lockdown bereits gleichkomme: "Wir haben 7000 Leute unter Quarantäne stehen, wir haben die Schulen und Kindergärten geschlossen. Wir werden jetzt auch Quertestungen in der Bevölkerung machen. Wenn jemand sagt, wir haben keinen Lockdown im Kreis Gütersloh, dann fahren Sie da mal hin. Wir sind mitten in einem Lockdown."

Menschen, die am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen?

Restaurants oder Fitnessstudios zu schließen, halte er dagegen für wenig sinnvoll, sagte Laumann. "Weil zum Beispiel die Menschen, die dort als osteuropäische Werkvertragsarbeitnehmer arbeiten, nicht in Restaurants gehen. Wir müssen schon eine Maßnahme ergreifen, die auch auf diese Situation passt. Wir haben es nicht mit einer Infizierung quer durch die Bevölkerung zu tun, wie das zum Beispiel nach Ischgl der Fall war." Es handle sich in allererster Linie um Menschen, die "an weiten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gar nicht teilnehmen."

Laumann bekräftigte seine Kritik an der Arbeitsweise der Fleischindustrie in Deutschland: "Ich glaube, dass dieses System sich nicht bewährt hat und dass wir auch klare gesetzliche Regelungen brauchen, dass diejenigen, die Schlachthöfe besitzen, auch eine Verantwortung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben, die das Kerngeschäft eines Schlachthofes machen, nämlich Tiere zu schlachten und zu zerlegen."

apr/dpa
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