Corona-Beschlüsse Wirtschaft warnt vor Folgen des verlängerten Shutdowns

Industrie, Tourismus, Handwerk, Handel: Die deutsche Wirtschaft schlägt wegen des verlängerten Shutdowns Alarm. Die Verbände fordern mehr Planungssicherheit und eine schnelle Auszahlung staatlicher Hilfen.
Geschlossenes Hotel mit Restaurant in Köln: »Die Situation unserer Branche ist sehr dramatisch«

Geschlossenes Hotel mit Restaurant in Köln: »Die Situation unserer Branche ist sehr dramatisch«

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Die Verlängerung des Corona-Shutdowns bis mindestens 20. Dezember hat in vielen Branchen der deutschen Wirtschaft für Verunsicherung gesorgt. So schätzt etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dass die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern die Wirtschaftsaktivität und die Verbraucherstimmung für den Rest des Jahres beeinträchtigen werden. »Dies wird die vorübergehende konjunkturelle Erholung auch im kommenden Jahr zunächst in Mitleidenschaft ziehen«, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf.

»Die Luft wird im Winter für immer mehr Unternehmer dünner«, warnte Kempf. Die Maßnahmen böten zwar kurzfristige Orientierung, brächten aber keinen ausreichenden Planungshorizont für die Wirtschaft. »Zentral muss sein, das Risiko von Jo-Jo-Shutdowns für Wirtschaft und Gesellschaft zu reduzieren«, so Kempf.

Noch deutlich unmittelbarer als die Industrie ist die Gastronomie von den Beschränkungen betroffen. »Die Situation unserer Branche ist sehr dramatisch«, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Ingrid Hartges. »Nun sind die Gehälter für den November fällig, und auch die nächste Pachtzahlung steht an.«

Hartges drängte auf eine schnelle Auszahlung der für November zugesagten Hilfen des Bundes. Im laufenden Monat konnten von der Schließung betroffene Betriebe rund drei Viertel des Monatsumsatzes vom November 2019 geltend machen. Sie gehe zudem davon aus, dass die Hilfen im Dezember im selben Umfang weiter gezahlt werden, sagte Hartges, die den Branchenumsatz im Dezember vergangenen Jahres auf etwa acht Milliarden Euro netto bezifferte.

Auch viele Handwerksbetriebe sind mittelbar oder unmittelbar von den Schließungen betroffen. »Sie brauchen dringend Unterstützung, um diese Zeit überstehen und ihren Betrieb aufrechterhalten zu können«, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. Er begrüßte, dass Bund und Länder auch für die Zeit des verlängerten Shutdowns »Dezemberhilfen« in Aussicht gestellt haben. »Allerdings müssen dieser Ankündigung auch rasch Taten folgen.«

Für den Einzelhandel haben Bund und Länder die Corona-Beschränkungen nicht nur verlängert, sondern auch verschärft. Nun warnt die Branche vor dramatischen Folgen. Durften Einzelhändler bislang weitgehend ohne Einschränkungen öffnen, dürfen fortan in Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern – also auch nahezu allen Supermärkten – weniger Kunden gleichzeitig einkaufen als bisher.

»Der große Verlierer sind viele Innenstadthändler, denen unter den Corona-Bedingungen die Kunden und die Umsätze wegbrechen«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Stattdessen werde mehr im Internet eingekauft werden. Edeka-Chef Markus Mosa warnte, der Lebensmittelhandel könne unter diesen Vorgaben »die hohe Nachfrage gerade im Weihnachtsgeschäft nicht bedienen«.

Zuspruch bekamen Genth und Mosa vom Chefvolkswirt des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Hans-Jürgen Völz, der die Beschlüsse als »neuen Tiefschlag« für den stationären Einzelhandel bezeichnete. Auch Völz sprach von einem starken Konjunkturimpuls für große Onlineversandhändler: »Das klassische Weihnachtsgeschäft der Monate November und Dezember hat sich damit für viele Geschäfte schon erledigt.«

fdi/dpa