Corona-Beschlüsse Wirtschaftsweiser hält Shutdown-Verlängerung für verkraftbar

Friseurinnen und Friseure sind erleichtert, die Textilbranche spricht vom »blanken Horror«: Die Wirtschaft nimmt die Shutdown-Verlängerung unterschiedlich auf. Der Ökonom Lars Feld zeigt Verständnis für die Entscheidung der Politik.
Industrie in Deutschland: »Rückgrat der konjunkturellen Erholung«

Industrie in Deutschland: »Rückgrat der konjunkturellen Erholung«

Foto: Matthias Rietschel / dpa

Der Shutdown in Deutschland wird weitgehend bis mindestens zum 7. März fortgesetzt. Der Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsidentenkonferenz wird in der Wirtschaft unterschiedlich aufgenommen.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld hält die Verlängerung des Shutdowns für wirtschaftlich verkraftbar. Die konjunkturelle Entwicklung werde zwar weiter belastet, angesichts der Sorge um eine dritte Infektionswelle mit einem mutierten Coronavirus sei die Shutdown-Verlängerung aber verständlich, sagte Feld den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Die Industrie und der Bau sind weiterhin relativ stark und bleiben das Rückgrat der konjunkturellen Erholung selbst bei einer Lockdown-Verlängerung bis in den März«, sagte Feld. Der Freiburger Ökonom ist der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Während Öffnungen des Einzelhandels nach den neuen Beschlüssen erst ab einer Inzidenz unter 35 infrage kommen, können Friseurbetriebe bei strikter Einhaltung von Hygieneauflagen ungeachtet der Shutdown-Verlängerung am 1. März wieder öffnen. Entsprechend erleichtert nahm die Branche die Beschlüsse auf. »Eine ganze Branche atmet auf, endlich haben wir eine Perspektive und Planungssicherheit«, sagte Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. Für viele Inhaber der 80.000 Salons in Deutschland seien die Wochen der Schließung existenzbedrohend. Angesichts des Infektionsgeschehens sei es elementar, Arbeitsschutzstandards- und Hygieneregeln in den Salons einzuhalten.

Friseure hatten zuvor Alarm geschlagen angesichts der wochenlangen Schließungen. Die Stimmung sei überaus angespannt, hatte Müller der dpa gesagt. »Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Pandemiebekämpfung ist die Schwarzarbeit in unserem Handwerk zwischenzeitlich zu einem wohl echten Problem geworden.«

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Der »blanke Horror«

Das Handwerk begrüßt die geplante Öffnung von Friseurbetrieben, warnte aber vor den Auswirkungen des verlängerten Shutdowns für andere Firmen. »Die epidemiologisch begründete Verlängerung des Lockdowns stellt für sehr viele weiter von Schließungen betroffene Handwerksbetriebe unverändert eine schwere Belastung dar und droht, viele von ihnen in die Knie zu zwingen«, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Ein Aus der Betriebe ließe sich allenfalls noch dann verhindern, wenn die angekündigten Abschlagszahlungen der Überbrückungshilfe III schnell ankämen, so Wollseifer.

Der Textilhandel kritisierte die Shutdown-Verlängerung scharf. »Per Ende Februar dürften sich die Verluste des Winter-Lockdowns in den Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäften damit auf rund 15 Milliarden Euro aufsummiert haben«, teilte der Hauptgeschäftsführer des BTE Handelsverbands Textil, Rolf Pangels, in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Handelsverband Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) am Mittwochabend mit. Das sei der »blanke Horror«. Der Start in die Frühsaison sei mit der wichtigste Verkaufszeitraum.

ptz/dpa