Trotz Lieferengpässen Deutsche Exporte höher als vor der Coronapandemie

Trotz Engpässen und Lieferkettenproblemen hat Deutschland im vergangenen Jahr mehr exportiert als vor der Coronakrise. Die Warenausfuhren stiegen auf den Rekordwert von 1375,5 Milliarden Euro. Doch nun drohen Risiken.
Containerterminal in Hamburg: Gute Zahlen für Exporteure

Containerterminal in Hamburg: Gute Zahlen für Exporteure

Foto: Chris Emil Janßen / imago images

Der deutsche Export hat nach einer Aufholjagd im vergangenen Jahr das Niveau von 2019 überschritten und liegt damit höher als vor der Coronapandemie. Die Warenausfuhren stiegen 2021 gegenüber dem Vorjahr kräftig um 14,0 Prozent auf 1375,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Sie lagen damit um 3,6 Prozent über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019.

Die Importe legten um 17,1 Prozent auf 1202,2 Milliarden Euro zu und überschritten ebenfalls das Niveau des Jahres 2019. Die Einfuhrzahlen erreichten die Bestmarke nicht zuletzt wegen stark gestiegener Preise für Energieimporte wie Erdgas. Der im Ausland viel kritisierte deutsche Exportüberschuss summierte sich auf 173,3 Milliarden Euro, womit er das fünfte Jahr in Folge sank.

Der Export ist neben dem Konsum eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Im Coronakrisenjahr 2020 waren die Warenausfuhren insgesamt um 9,1 Prozent eingebrochen, die Importe schrumpften um 7,0 Prozent.

Zum Jahresende 2021 gab es bei den Ausfuhren ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat November. Im Vergleich zu Dezember 2020 legten die Exporte um 15,6 Prozent zu.

USA und China wichtigste Handelspartner

Besonders die Nachfrage aus den USA nach Waren »Made in Germany« zog im vergangenen Jahr an: Die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft wuchsen um 18,0 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro. Die Vereinigten Staaten blieben damit größter deutscher Exportkunde, gefolgt von China. Die Ausfuhren in die Volksrepublik legten um 8,1 Prozent auf 103,6 Milliarden Euro zu, die nach Frankreich um 12,6 Prozent auf 102,3 Milliarden Euro.

Die meisten Importe kamen 2021 aus der Volksrepublik China. Von dort wurden Waren im Wert von 141,7 Milliarden Euro eingeführt, ein Plus von 20,8 Prozent zum Vorjahr.

Sorgen bereiteten der Exportwirtschaft anhaltende Logistikprobleme, Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie hohe Energiepreise und die ungewisse Pandemieentwicklung. Die deutsche Industrie hat eine Rekordzahl an Aufträgen, die wegen Materialengpässen nicht im eigentlich möglichen Tempo abgearbeitet werden können.

Die Chancen auf einen anhaltenden Aufschwung im laufenden Jahr stehen nicht schlecht. Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sich die Lage bei der Versorgung mit wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und Rohstoffen im Laufe des Jahres entspannen wird. »Volle Auftragsbücher von Industrieunternehmen sind eine gute Basis für weiteres Exportwachstum«, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. »Omikron und Lieferketten werden darüber entscheiden, wie kräftig dieses sein wird.«

Ukrainekrise als Gefahr für deutschen Export

Zudem gibt es weitere Risiken. »Wenn die Energiepreise auf dem Weltmarkt nicht bald wieder etwas nachgeben, droht in den kommenden Monaten ein weiterer Teuerungsschub«, warnte der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien. »Der könnte deutsche Haushalte und deutsche Unternehmen belasten und damit auch die Erholung dämpfen.«

Geopolitische Konflikte, wie etwa die aktuellen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine, könnten auch die Exporteure treffen. »Russland ist keine Top-Handelsnation für Deutschland«, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Allerdings importiere Deutschland aus Russland entscheidende Rohstoffe, allen voran Gas, Öl und Metalle. »Ohne diese Rohstoffe funktioniert die deutsche Exportmaschinerie nur eingeschränkt«, sagte Gitzel. »Ob es für Deutschland ein gutes Exportjahr 2022 wird, hängt also auch davon ab, wie es im Osten der Ukraine weitergeht.«

mmq/Reuters/dpa