Trotz Corona-Auflagen Fitnessstudio darf stundenweise gemietet werden

Der Lockdown bringt die meisten Freizeitgestaltungen zum Erliegen. Nun entschied ein Gericht: Ein niedersächsisches Fitnessstudio darf zwar nicht regulär öffnen – aber privat gemietet werden.
Fitnessstudio in Köln (im Mai 2020)

Fitnessstudio in Köln (im Mai 2020)

Foto: Marius Becker/ dpa

Ein privates Fitnessstudio, ganz für sich allein: Klingt nach Luxus, könnte aber in Niedersachsen bald möglich sein. Eine Fitnessstudio-Betreiberin hat von einem Gericht die Erlaubnis bekommen, ihr Studio trotz Lockdown stundenweise an einzelne Nutzer zu vermieten.

Ein Verstoß gegen die Corona-Verordnung des Landes liege bei dem entsprechenden Nutzungs- und Hygienekonzept nicht vor, wie das Verwaltungsgericht Hannover am Dienstag in einem Eilverfahren entschied. Dabei sei »Publikumsverkehr« ausgeschlossen.

Generelle Schließung rechtlich »unbedenklich«

Die Richter stützten ihre Argumentation nach eigenen Angaben auf das grundgesetzlich garantierte Recht auf Gleichbehandlung. So erlaube die niedersächsische Corona-Verordnung den Betrieb von Einrichtungen des Individualsports, etwa Tennishallen. Dabei sei sogar die parallele Nutzung mehrerer Spielfelder erlaubt, führte das Verwaltungsgericht aus. Es mangle vor diesem Hintergrund an einer »sachlichen Rechtfertigung«, die Vermietung des Studios zu verbieten.

Die generelle Schließung von Fitnessstudios sei allerdings rechtlich »unbedenklich«, betonte das Gericht. Dort könne ein erhöhtes Infektionsrisiko angenommen werden, weil eine Vielzahl von Menschen sich auf begrenztem Raum sportlich betätige. Diese Gefahr werde durch das Konzept der Klägerin aber beseitigt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Behörden können dagegen vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg Rechtsmittel einlegen. Ob eine private Vermietung die Studios retten kann, ist zudem mehr als fraglich.

Fitnessstudios sind in ganz Deutschland seit dem zweiten Lockdown, der Anfang November in Kraft trat, wieder geschlossen. Viele Betreiber kämpfen gegen eine drohende Insolvenz, einige waren gerichtlich gegen die Schließung vorgegangen, jedoch ohne Erfolg. Währenddessen schossen während beider Lockdowns die Preise für private Fitnessgeräte in die Höhe: Im Jahresdurchschnitt kletterten sie 2020 um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein eindeutiges Ende des Lockdowns ist noch nicht in Sicht. Allerdings legten einzelne Bundesländer vergangene Woche Pläne für die stufenweise Lockerung der Corona-Maßnahmen vor. So will Schleswig-Holstein beispielsweise Fitnessstudios wieder öffnen, wenn die Inzidenz drei Wochen lang stabil unter 50 liegt.

zob/AFP/dpa
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