2G-Regelungen für Läden Handelsverband beklagt »dramatisch schlechtes« Weihnachtsgeschäft

Die 2G-Regelungen hätten Kunden abgeschreckt, in der Folge haben stationäre Händler vor Weihnachten deutliche Umsatzverluste erlitten, sagt der Branchenverband HDE. Er kritisiert fehlende Entschädigungen.
Einkaufszentrum in Magdeburg (Mitte Dezember 2021)

Einkaufszentrum in Magdeburg (Mitte Dezember 2021)

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Nach dem Coronawinter 2020 hatten viele Händler in diesem Jahr auf ein weitgehend normaleres Weihnachtsgeschäft gehofft. Die vierte Welle durchkreuzte diese Erwartungen. Nun zieht der Handelsverband Deutschland (HDE) Bilanz – und beklagt erhebliche Umsatzeinbußen.

Das Weihnachtsgeschäft sei größtenteils »dramatisch schlecht« verlaufen, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth dem »Focus«. »Bis November konnten wir noch einiges aufholen von den Lockdown-Monaten im Frühjahr«, sagte Genth. »Aber der positive Trend wurde durch die Einführung der 2G-Regeln abrupt gestoppt.«

Im Schnitt habe es ein Drittel weniger Umsatz bei 40 Prozent weniger Kunden gegeben, bilanzierte Genth. Besonders betroffen seien die Innenstädte. »Und manche Einzelhändler gerade aus dem Textilbereich hat es natürlich sogar noch weit härter erwischt, wenn man bedenkt, dass zugleich der Onlinehandel mit einem erneuten Plus von 20 Prozent weiter boomt und der Lebensmittelbereich ebenfalls weiter gut funktioniert«, sagte er.

Genth kritisierte, die 2G-Regel sei »keine medizinisch sinnvolle Maßnahme, sondern wurde von der Politik vor allem dazu genutzt, Druck auf die Ungeimpften auszuüben«. Dabei sei »längst klar, dass die Geschäfte in keiner Weise zum Infektionsgeschehen beitragen«, sagte er und verwies auf das Gerichtsurteil in Niedersachsen zur Aussetzung der 2G-Regel im Einzelhandel.

»Da reicht nun wieder eine normale Maskenpflicht«, sagte Genth. Alles andere sei »auch nicht nachvollziehbar und stellt eine klare Ungleichbehandlung dar, gegen die viele unserer Mitglieder gerichtlich vorgehen«.

Es gebe zudem »bislang keinerlei Plan für Entschädigungsleistungen«, kritisierte er.

Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hatte Mitte Dezember die 2G-Regel für den Einzelhandel in Niedersachsen vorläufig außer Vollzug gesetzt. Das Gericht argumentierte, dass die Regel derzeit keine notwendige Schutzmaßnahme sei.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verwies nach dem Gerichtsurteil indes darauf, dass 2G im Einzelhandel sinnvoll und auch »sehr viel wirksamer als eine Maskenpflicht« sei.

Hoffnung auf Geldgeschenke und Sorge vor Omikron

Was die weiteren Geschäftsaussichten für den Handel betrifft, setzt der HDE vorsichtig optimistisch auf die kommenden Tage. »Wir hoffen, dass die Menschen Gutscheine und Geldgeschenke in die Läden tragen und gehen schon davon aus, dass die Besucherzahlen in den Innenstädten ganz ordentlich sein werden. Aber vom Vorkrisenniveau etwa im Jahr 2019 wird das wohl weit entfernt sein«, sagte Genth der Nachrichtenagentur dpa.

Die Ausbreitung der besonders ansteckenden Coronavariante Omikron könnte aber dem Einzelhandel in den deutschen Innenstädten noch einmal einen Schlag versetzen, fürchtet der HDE. »Wenn die Inzidenzzahlen in die Höhe schnellen, werden wahrscheinlich wieder weniger Menschen in die Innenstädte kommen«, sagte Genth.

mmq/AFP/dpa