Weniger Impfstoff im ersten Quartal EU zeigt sich »tief unzufrieden« mit AstraZeneca

Nach Biontech/Pfizer meldet mit AstraZeneca der zweite Impfstoffhersteller Lieferprobleme. Laut einem Insider sollen im ersten Quartal Millionen für Europa zugesagte Dosen fehlen. Die EU-Kommission reagiert verärgert.
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides

Foto: Yves Herman / dpa

Der Pharmakonzern AstraZeneca liefert zunächst weniger Corona-Impfstoff an die EU als geplant. Sollte AstraZeneca die EU-Zulassung erhalten, werde die Menge zu Beginn niedriger sein, sagte eine Sprecherin des britisch-schwedischen Unternehmens am Freitag auf Anfrage. Grund sei eine geringere Produktion an einem Standort in der europäischen Lieferkette. Genaue Zahlen nannte der Konzern zunächst nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf einen ranghohen EU-Mitarbeiter, von zunächst 80 Millionen angekündigten Impfdosen im ersten Quartal könnten bis zu 49 Millionen wegfallen. Das entspräche einer Kürzung um bis zu 60 Prozent. Auch Deutschland würde in diesem Fall Millionen Dosen weniger bekommen.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zeigte sich am Freitagabend verärgert. Das Unternehmen habe die Lieferprobleme am Freitag im Lenkungsausschuss zur EU-Impfstrategie angekündigt, teilte die Politikerin mit. Die EU-Kommission und Mitgliedstaaten hätten »tiefe Unzufriedenheit« darüber geäußert, dass im ersten Quartal weniger Impfstoff geliefert werden solle als geplant.

Man habe darauf bestanden, dass es einen genauen Lieferplan gebe, auf dessen Grundlage die Mitgliedstaaten ihre Impfprogramme planen könnten. Die EU-Kommission werde weiter auf mehr Zuverlässigkeit bei den Lieferungen dringen und auf eine beschleunigte Verteilung der Dosen.

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Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte dazu auf Anfrage: »Wir gehen weiter davon aus, dass der Impfstoff von AstraZeneca Ende kommende Woche für die EU zugelassen wird. Die EU hat viel in die Vorproduktion dieses Impfstoffes investiert. Nach der Zulassung wird klar, wie viel Impfstoff wann zusätzlich für Deutschland zur Verfügung steht.«

Langsames Impftempo in Deutschland

AstraZeneca hat den Impfstoff zusammen mit der britischen Universität Oxford entwickelt. Er wird in Großbritannien bereits genutzt. Für kommende Woche wird auch eine Zulassung in der Europäischen Union erwartet.

Vor einigen Tagen war bereits ein Lieferengpass beim Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer bekannt geworden. Hintergrund sind Umbauten in einem Pfizer-Abfüllwerk in Belgien. In mehreren EU-Staaten hatte es deswegen großen Unmut gegeben, weil Impfpläne umgestellt werden mussten. Auch in Deutschland kann deshalb erst mal nicht, wie ursprünglich geplant, weiter geimpft werden. Mehrere Bundesländer haben die Vergabe neuer Impftermine gestoppt oder bereits vergebene Impftermine um mehrere Wochen verschoben.

Deutschland ist mit den Impfungen ohnehin vergleichsweise langsam gestartet. Seit dem Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember 2020 wurden bis Freitagnachmittag erst 1,5 Millionen Impfdosen verabreicht. Die neuen Lieferprobleme könnten die Versuche ausbremsen, das Tempo zu erhöhen.

Ursprünglich hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) intern angekündigt, bis zum Ende des zweiten Quartals allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Donnerstag deutlich vorsichtiger ausgedrückt: Wenn alles wie zugesagt erfolge, könne man es schaffen, »bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen«. Sie verwies allerdings darauf, dass der Sommer kalendarisch bis 21. September geht.

stk/dpa/Reuters