Comeback nach Corona In Österreich machen kleinere Läden wieder auf

Kanzler Sebastian Kurz wagt in Österreich eine erste Lockerung der Corona-Einschränkungen - und lässt kleinere Geschäfte und Baumärkte wieder öffnen. In Bus und Bahn gilt derweil Maskenpflicht.
Menschen mit Masken auf dem Stadtmarkt in Lienz: 80 Prozent der Einzelhändler profitieren von Lockerungen

Menschen mit Masken auf dem Stadtmarkt in Lienz: 80 Prozent der Einzelhändler profitieren von Lockerungen

Foto: Expa/ dpa

In Deutschland wird Mitte der Woche eine Entscheidung der Bundesregierung über etwaige Lockerungen bei den Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie erwartet. Im Nachbarland Österreich ist man bereits einen Schritt weiter: Kleinere Geschäfte und Baumärkte dürfen von heute an wieder öffnen.

"Wirtschaftlich wollen wir diese Krise so schnell wie möglich überwinden und um jeden Job in Österreich kämpfen", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Vergangene Woche hatte er einen Stufenplan zur Wiedereröffnung von Teilen der Wirtschaft skizziert, beginnend ab heute mit kleineren Geschäften von bis zu 400 Quadratmetern, sowie Bau- und Gartenmärkten.

Die Öffnungen unterliegen strengen Auflagen: Die Zahl der Personen ist begrenzt, Kunden müssen Gesichtsmasken tragen und Abstandsregeln einhalten. Die Öffnungszeiten der Geschäfte sind auf 7.40 Uhr bis 19 Uhr beschränkt. Händler, die zu viele Kunden ins Lokal lassen, müssen mit bis zu 3600 Euro Strafe rechnen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte: "Ich appelliere dringend, alle Sicherungsmaßnahmen der ersten Teilöffnung konsequent zu befolgen."

Rund 80 Prozent aller Einzelhändler können von den Lockerungen profitieren. Allein in Wien dürfen somit rund 4500 Läden ihre Waren wieder verkaufen. Der Schritt nach vierwöchigem Stillstand ist mit Risiken verbunden. Bisher ist Österreich dank früher und strenger Maßnahmen von den schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont geblieben. Die Zahl der Genesenen übersteigt seit geraumer Zeit die der Neuinfizierten. Insgesamt gibt es aktuell in dem Land rund 6500 Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Rund tausend Patienten liegen im Krankenhaus.

Maskenpflicht im Nahverkehr

Andere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie bleiben in Österreich dennoch in Kraft oder wurden verschärft: Das Bedecken von Mund und Nase durch einen speziellen Schutz oder einen Schal wird in allen öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pflicht. Auch die Ausgangsbeschränkungen bleiben voraussichtlich bis mindestens Ende April bestehen. Voraussichtlich erst ab dem 1. Mai sollen dann Einkaufszentren, größere Geschäfte und Friseure folgen. Restaurants und Hotels könnten ab Mitte Mai schrittweise wieder öffnen, sagte Kanzler Kurz.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor zu Vorsicht gemahnt, ohne Österreich ausdrücklich zu erwähnen: Die Aufhebung von Beschränkungen könne "zu einem tödlichen Wiederaufleben" führen. "Ich bin mir einfach zu 100 Prozent sicher, dass wir das Richtige getan haben und das Richtige tun", sagte Kurz in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Kurier" und erklärte am selben Tag im ORF: "Wir sind noch nicht über den Berg. Die Gefahr ist immer noch unter uns." Selbstisolation und Social Distancing seien weiterhin notwendig.

Österreich hatte bereits vor etwa vier Wochen Schulen, Bars, Theater, Restaurants, nicht essenzielle Geschäfte und andere Treffpunkte geschlossen und die Bürger angewiesen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und von dort aus zu arbeiten. Bislang sind in Österreich insgesamt 368 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben - deutlich weniger, als einige größere europäische Länder pro Tag verzeichnen. Die Zuwachsrate bei den täglichen Neuinfektionen liegt im niedrigen einstelligen Bereich. Andere westeuropäische Länder lockern ebenfalls ihre Maßnahmen: Am Montag ließ Spanien die Arbeit im Bau- und verarbeitenden Gewerbe wieder aufnehmen, Dänemark öffnet ab Mittwoch die Schulen für Kinder von der ersten bis zur fünften Klasse sowie Kindertagesstätten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters, die Zahl der täglichen Neuinfektionen liege im "niedrigen einstelligen Bereich". Diese Angabe bezieht sich jedoch auf die Zuwachsrate.

apr/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.