Shutdown-Schäden Forscher rechnen mit erneutem Wirtschaftseinbruch

Die deutsche Wirtschaft wuchs Ende 2020 überraschend, doch der Aufschwung dürfte nur von kurzer Dauer sein: Für das erste Quartal rechnen Forschungsinstitute schon wieder mit einem Rückgang.
Monteurin des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen: »Schwung in der Industrie dürfte nachlassen«

Monteurin des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen: »Schwung in der Industrie dürfte nachlassen«

Foto:

Felix Kästle / dpa

Zahlreiche Experten erwarten durch die zweite Corona-Welle und den anhaltenden Shutdown einen erneuten Konjunktureinbruch. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um etwa 1,5 Prozent fallen. Und die staatliche Förderbank KfW hält bei einem »schwierigen Start ins neue Jahr« gar einen Rückgang um 1,5 bis drei Prozent für möglich.

Ende 2020 hatte sich die deutsche Konjunktur noch überraschend gut entwickelt. Trotz des zweiten Shutdowns ab November stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt an diesem Mittwoch mitteilte. Ende Januar hatten die Statistiker nach ersten Berechnungen noch ein Plus von nur 0,1 Prozent bekannt gegeben.

»Vor allem die Industrie kommt bislang robust durch den Winter«, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Trotz vorübergehender Knappheiten bei wichtigen Vorleistungsgütern in der Autobranche dürfte die Industrie ihr Produktionsniveau des Schlussquartals 2020 in etwa halten. Auch die Dienstleistungsbereiche kommen dem DIW zufolge besser durch den Lockdown als noch vor knapp einem Jahr. Die Unternehmen hätten sich in vielen Bereichen mittlerweile auf die Lage eingestellt, hieß es.

Wachstumsschub im dritten Quartal

Doch aus Sicht von KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib dürfte »der Schwung in der Industrie voraussichtlich etwas nachlassen«. Die zunehmende Verbreitung der britischen Virusmutante sowie der schleppende Impfstart legten aktuell auch nur vorsichtige Lockerungen der Corona-Einschränkungen nahe, sagte Köhler-Geib weiter.

Mit steigender Immunisierung seien voraussichtlich im Frühling Lockerungen im Gastgewerbe möglich, teilte die KfW weiter mit. »Ab dem dritten Quartal« könnten demnach »die gesamtwirtschaftlich relevanten Restriktionen weitgehend aufgehoben werden« und ein wirtschaftlicher Wachstumsschub einsetzen. Im vierten Quartal werde voraussichtlich das Vorkrisenniveau wieder erreicht.

Für das Gesamtjahr 2021 rechnet die Bank »bei erfolgreicher Zurückdrängung des Virus und Vermeidung einer dritten Welle« mit einem BIP-Wachstum um 3,3 Prozent – im November hatte sie noch ein Plus von vier Prozent erwartet. Im Jahr 2022 dürfte das Wirtschaftswachstum der neuen Prognose zufolge 3,4 Prozent betragen.

hej/Reuters/AFP