Höchstwert seit 1996 Arbeit verteuert sich so stark wie nie zuvor

In der Coronakrise sind die Arbeitskosten deutlich gestiegen - und die Zahl der geleisteten Stunden auf ein Rekordtief gefallen: Statistisch gesehen wurden pro Stunde rund fünf Prozent mehr fällig als im Vorjahr.
Porsche-Produktion in Leipzig: Arbeit sechs Wochen lang ausgesetzt

Porsche-Produktion in Leipzig: Arbeit sechs Wochen lang ausgesetzt

Foto: Jan Woitas / DPA

Die Corona-Einschränkungen haben im zweiten Quartal dazu geführt, dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung gefallen ist. Dadurch ist Arbeit in Deutschland deutlich teurer geworden - zumindest, wenn man die Kosten pro Arbeitsstunde berechnet. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stiegen sie um 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - und damit so stark wie seit dem Beginn der Erhebung dieser Daten im Jahr 1996 nicht.

Den kräftigen Anstieg erklärten die Statistiker mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Weil Firmen ihren Betrieb herunterfuhren und Arbeitnehmer in Zwangsurlaub oder Kurzarbeit schickten oder weil Eltern wegen geschlossener Kitas und Schulen ihre Kinder zeitweise zu Hause betreuen mussten, ging die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden deutlich zurück. Das verzerrt in gewisser Weise die Statistik.

Wie stark der Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden war, machen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deutlich. Demnach ist das Arbeitsvolumen im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 13,3 Milliarden Stunden gesunken. Gegenüber dem ersten Quartal 2020 bedeutet das einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang um acht Prozent.

"Die Arbeitszeit ist vor allem durch Kurzarbeit, Abbau der Zeitguthaben auf den Arbeitszeitkonten, Freistellungen und weniger Überstunden gesunken", sagte der Leiter des Forschungsbereiches Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen beim IAB, Enzo Weber. "Der Rückgang bei der Zahl der Erwerbstätigen blieb in Anbetracht des immensen wirtschaftlichen Schocks dagegen begrenzt", sagte er.

Höhere Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten

Der Effekt der höheren Arbeitskosten pro Stunde war bereits im ersten Quartal 2020 zu beobachten. Zum Vorquartal erhöhten sich die Arbeitskosten pro Arbeitsstunde im Zeitraum April bis einschließlich Juni um 1,9 Prozent.

Die Arbeitskosten setzen sich aus Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten zusammen. Die Bruttoverdienste erhöhten sich im zweiten Quartal dieses Jahres zum Vorjahresquartal kalenderbereinigt um 4,9 Prozent, die Lohnnebenkosten stiegen um 5,7 Prozent.

Im EU-Vergleich verteuerte sich in Deutschland eine Stunde Arbeit um 3,4 Prozent zum Vorjahresquartal. Damit liegt Deutschland als Europas größte Volkswirtschaft genau im EU-Schnitt. Aktuell liegen hier jedoch nur Daten für das erste Quartal 2020 vor.

Am stärksten stiegen die Arbeitskosten demnach in Litauen (plus 11,2 Prozent), am geringsten in Luxemburg (plus 0,1 Prozent). In Kroatien gingen die Arbeitskosten sogar um 1,1 Prozent zurück. Der europäische Vergleich erfasst die Industrie und wirtschaftliche Dienstleistungen, nicht jedoch den öffentlichen Dienst und das Gesundheitswesen.

kko/fdi/dpa
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