Coronakrise Condor-Rettung vor dem Aus

Die polnische Fluggesellschaft LOT sollte eigentlich die schwer angeschlagene Airline Condor übernehmen. Doch nun stellen die Polen offenbar neue Bedingungen, die kaum einzuhalten sind. Der Deal scheint damit gescheitert.
Condor-Maschinen in Düsseldorf: Ein Großteil der Flotte ist am Boden

Condor-Maschinen in Düsseldorf: Ein Großteil der Flotte ist am Boden

Foto: INA FASSBENDER/ AFP

Die geplante Übernahme der schwer angeschlagenen Ferienfluglinie Condor durch die polnische Holding PGL steht kurz vor dem Aus. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Muttergesellschaft der polnischen Fluglinie LOT extreme Forderungen an das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin gerichtet haben. Aus Verhandlungskreisen wird berichtet, dass die Erfüllung dieser Forderungen einer nahezu kompletten Absicherung des Investments gleichkommen würden.

Ein Verhandlungsteilnehmer vermutet gar, dass die Hürden bewusst gewählt worden seien, um aus dem Kaufvertrag wieder herauszukommen. "Wenn man darauf eingehen würde, käme dies einem Verschenken der Condor an ein polnisches Unternehmen gleich", sagte der Insider. 

Der SPIEGEL hatte bereits vor zwei Wochen darüber berichtet, dass der Deal wackelt. Hintergrund ist die durch das Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise, die auch die Luftfahrtbranche in einem nie dagewesenen Ausmaß trifft. Auch die LOT ist dadurch schwer beschädigt.

Die Mutterfirma PGL will auf Anfrage keinen Kommentar zu den neuerlichen Entwicklungen abgeben; auch Condor selbst will zu den Forderungen ihres Käufers nichts sagen. Das Bundeswirtschaftsministerium will ebenfalls die Vorgänge nicht kommentieren. 

Hilfskredit soll verlängert werden

Nun bleibt für Condor wohl nur der Plan B: Der Staat müsste einsteigen. Zunächst könnte die Rückzahlung des bereits gewährten Überbrückungskredits über 380 Millionen Euro der Förderbank KfW aufgeschoben werden, der eigentlich im April fällig wird. Beim Wirtschaftsministerium heißt es dazu lediglich, dass das Insolvenzverfahren andauern würde. Allerdings heißt es auf der Internetseite der für die Condor-Flugbegleiter zuständigen Gewerkschaft UFO, man vertrete "die Interessen unserer Kollegen in Berlin und Brüssel" und arbeite "zusammen mit der Geschäftsleitung daran, dass uns nach dem Überbrückungskredit im letzten Jahr Verlängerungen und weitere Mittel gewährt werden."

Wird der Kredit verlängert, müsste man sich nach der Coronakrise erneut auf die Suche nach einem Käufer begeben - die Chancen dürften nicht besonders gut sein, da die Branche derzeit drastische Änderungen erlebt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr etwa geht davon aus, dass die Lufthansa Group nach der Krise kleiner sein wird als vorher. Kaum eine Airline auf der Welt dürfte ohne üppige Hilfen ihrer Staaten im Umfang genauso wie vorher agieren können. Zurückhaltung von potenziellen Investoren könnte die Folge sein.

Nur noch Rückholflüge

Als wahrscheinlich gilt, dass auch Condor demnächst einen Großteil seiner Flotte stilllegen muss. Derzeit gibt es noch Rückholflüge für im Ausland gestrandete Urlauber – diese finden im Auftrag von Reiseveranstaltern und des Auswärtigen Amts statt und werden auch von dort bezahlt. "Wie lange diese Rückholflüge andauern, lässt sich derzeit nicht absehen", sagt eine Condor-Sprecherin. "Condor plant weiterhin einen eingeschränkten Ersatzflugplan mit wenigen Linienflügen aufrechtzuerhalten, es ist aber absehbar, dass auch Condor - wie alle anderen Airlines auch - Flugzeuge parken wird." Man beschäftige sich mit dem Szenario, "das eine deutliche Reduzierung des Flugbetriebs länger als vier Wochen beinhaltet". Zur Liquidität von Condor will das Unternehmen nichts sagen. Man habe mit allen Gewerkschaften, der Personalvertretung und Betriebsräten tragfähige Vereinbarungen zu Kurzarbeit getroffen. 

Möglicherweise könnte Condor auch Ansprüche gegen die PGL geltend machen, wenn der Kaufvertrag nicht erfüllt wird. Die Aussichten, eine solche Forderung auch wirklich zu bekommen, dürfte laut Branchenbeobachtern aber eher gering sein. Condor selbst sagt dazu: "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht."