Quarantäne-Pflicht für Reiserückkehrer Eurowings schränkt Flüge nach Spanien und Kroatien wieder ein

Die geplante Quarantänepflicht für Einreisende aus Risikogebieten lässt die Ticket-Nachfrage fallen. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie muss nun schon wieder Verbindungen streichen.
Eurowings-Airbusse in Hamburg: Die Ticketverkäufe sinken schon wieder

Eurowings-Airbusse in Hamburg: Die Ticketverkäufe sinken schon wieder

Foto: Bodo Marks/ DPA

Die Fluglinie Eurowings schränkt Flüge in Corona-Risikogebiete wie Spanien oder Kroatien wieder ein: wegen des geplanten Quarantäne-Zwangs für Reiserückkehrer.

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern von vergangener Woche, dass Heimkehrer aus Risikogebieten sich vom 1. Oktober an mindestens fünf Tage lang selbst isolieren müssen, habe sich die Buchungssituation bei Eurowings deutlich verschlechtert, sagte Vorstandschef Jens Bischof am Mittwochabend im Hamburger Luftfahrt-Presse-Club. So seien etwa die Ticketverkäufe der Lufthansa-Tochter für Palma de Mallorca nach den Änderungen um die Hälfte eingebrochen. "Das ist krass. Deswegen sind wir gezwungen, wieder Flüge aus dem System zu nehmen."

Eurowings-CEO Jens Bischof will sich von Ryanair mit "bezahlbarem Komfort" abheben

Eurowings-CEO Jens Bischof will sich von Ryanair mit "bezahlbarem Komfort" abheben

Foto: Horst Galuschka/ imago images/Horst Galuschka

Gerade auf Strecken nach Spanien und Kroatien werde Eurowings das Angebot nun wieder einschränken, sagte Bischof dem SPIEGEL - allerdings mit Vorlauf, sodass sich die Passagiere darauf einstellen könnten. Noch vor Kurzem habe seine Linie geplant, von September an wieder 60 statt bislang 50 ihrer insgesamt 100 Flugzeuge einzusetzen. Angesichts der sinkenden Nachfrage werde man nun aber "eher unter die 50 Maschinen gehen", sagte der 54-jährige Manager. "Das System davor war ganz klar das Bessere und hat weniger Schaden angerichtet."

Bislang konnten sich Einreisende aus Risikogebieten bei ihrer Ankunft auf das Coronavirus testen lassen - und sich bei einem negativen Ergebnis wieder frei in der Öffentlichkeit bewegen.

Freier Mittelsitz gegen Aufpreis

Bischof gelobte, dass Eurowings seinen Kunden die Ticketkosten für gestrichene Flüge in der ersten Pandemiewelle bald zurückerstatten wird. "Der uneingeschränkte Wille ist da, alle Kundengelder zurückzuführen und das so schnell wie möglich zu tun." Auf dem Höhepunkt der Kontakt- und Reisebeschränkungen im April hatte Eurowings zahlreiche Flüge gestrichen. Monate später warten Zehntausende verärgerte Eurowings-Kunden noch immer auf ihr Geld.

Insgesamt gehe es noch um 50 Millionen Euro, sagte Bischof. "Wir arbeiten das jetzt konsequent ab." Dafür habe sein Unternehmen Mitarbeiter aus anderen Bereichen umgeschichtet. Allerdings gebe es noch manche "hochkomplexe" Vorgänge, deren Klärung Zeit brauche.

Künftig will die Fluglinie auf allen ihren Routen Passagieren die Möglichkeit geben, neben ihrem Sitz gegen mindestens 18 Euro Aufpreis einen freien Mittelplatz zu buchen.  "Wir kontingentieren überhaupt nicht, der freie Mittelsitz wird bis zum letzten Platz in der Maschine angeboten", sagte Bischof. Der Preis dafür sei immer niedriger als für ein reguläres Ticket. Er könne je nach Nachfrage aber "auch in einen dreistelligen Bereich laufen".

Der langjährige Lufthansa-Manager Bischof ist seit März Eurowings-Chef. Seinen Plänen nach soll sich die Fluggesellschaft von anderen Low-Cost-Anbietern wie Ryanair oder Easyjet mit "bezahlbarem Komfort" abheben, also beispielsweise dem freien Mittelsitz, Desinfektionstüchern beim Einsteigen oder besseren Umbuchungsmöglichkeiten. "Der Kunde wünscht sich die Reduzierung von Unsicherheit. Er verlangt nach einem Sicherheits- und Hygienekonzept, auf das er sich verlassen kann", sagte der gebürtige Frankfurter. "Wir schaffen es deutlich besser, unsere Hygienekonzepte an den Kunden zu adressieren als eine Ryanair oder eine Easyjet."

Konkurrent Ryanair hatte am Dienstag angekündigt, eine Million Tickets für fünf Euro zu verkaufen, um seine Maschinen zu füllen. Auf eine Preisschlacht will sich Bischof offenbar nicht einlassen: "Ein Fünf-Euro-Ticket ist nicht das, was zurzeit im deutschen Markt verlangt wird." In der Vergangenheit sei der Preis zwar oft entscheidend gewesen. Heute jedoch gehe es für den überwiegenden Teil der Passagiere um "Vertrauen, Sicherheit, Flexibilität".

clh