Gelähmte Wirtschaft Coronakrise führt zu historischem CO2-Rückgang

Viele Fabriken und Autos stehen still: Die Corona-Pandemie führt laut Internationaler Energieagentur zum stärksten Rückgang der CO2-Emissionen, den es je gab. Das sei "absolut kein Anlass zum Jubel".
Braunkohlekraftwerk in Brandenburg:

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg:

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der wirtschaftliche Einbruch infolge der Coronavirus-Pandemie führt laut Internationaler Energieagentur (IEA) zum größten Rückgang von Treibhausgas-Emissionen, den es je gegeben hat. Der CO2-Ausstoß dürfte demnach 2020 um acht Prozent sinken, der weltweite Energiebedarf um sechs Prozent. Selbst beim Konjunktureinbruch infolge der Finanzkrise 2009 sei der Rückgang in absoluten Zahlen nicht so groß gewesen.

"Angesichts der Zahl der Toten und des wirtschaftlichen Traumas in der ganzen Welt ist der historische Rückgang der globalen Emissionen absolut kein Anlass zum Jubel", sagte IAE-Exekutivdirektor Fatih Birol. Er forderte die Regierungen weltweit dazu auf, den Wiederaufbau nach der Pandemie auf umweltfreundlichere Energien auszurichten.

Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kommt in ihrer jährlichen Energiestudie zu dem Schluss, dass Energieverbrauch und CO2-Ausstoß infolge der Corona-Pandemie spürbar zurückgehen. Besonders bei Erdöl, dessen Preis stark abgerutscht und bei Termingeschäften sogar ins Negative gedreht war, sei der Einbruch der globalen Nachfrage beträchtlich.

Wie lange hält der Effekt?

Infolge des Öl-Überangebots sinken auch die CO2-Emissionen. Ob der positive Effekt für das Klima anhalte, lässt sich laut BGR aber noch nicht sagen: Es sei "nicht absehbar, ob diese Entwicklung den langfristigen Trend eines weltweit wachsenden Energiebedarfs brechen wird".

In Deutschland waren bis Ende 2018 - so weit reichen die Basisdaten der Analyse - die erneuerbaren Energien weiter auf dem Vormarsch. In der Erzeugung machten Wind-, Solar- und Bioenergie rund 35 Prozent am Strommix aus. Regenerative Träger waren damit laut BGR "wichtigste heimische Energiequelle".

Ähnlich wie IEA-Chef Birol fordert der Internationale Währungsfonds (IWF), geplante Konjunkturprogramme wegen der Coronavirus-Krise zur Bekämpfung des Klimawandels nutzen. "Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um eine 'grüne Erholung' hinzubekommen", sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Mittwoch beim Petersberger Klimadialog.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte bei den Beratungen, Konjunkturpakete und Klimaschutz zu verbinden. Zudem bekannte sie sich erstmals zu einem ehrgeizigeren Klimaschutzziel der EU.

dab/dpa/Reuters
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