Corona-Auswirkungen H&M, Adidas und Deichmann wollen keine Miete mehr zahlen

Weil die Läden wegen der Coronakrise wochenlang geschlossen sind, setzen viele Modehändler ihre Mieten aus. Auch H&M Deutschland zahlt für seine 460 Filialen keine Miete mehr.
H&M-Filiale in Siegen (Archivbild): Die Modekette setzt ihre Mietzahlungen aus

H&M-Filiale in Siegen (Archivbild): Die Modekette setzt ihre Mietzahlungen aus

Foto: Rene Traut/ imago images

Der Modehändler H&M will für seine Läden in Deutschland keine Mieten mehr zahlen. Die Coronakrise habe zur vorübergehenden Schließung aller 460 H&M-Filialen geführt. "Deshalb haben wir auch in Deutschland in der letzten Woche alle unsere Vermieter darüber informiert, dass wir die Zahlungen bis zur Klärung der Sachlage aussetzen", schreibt eine H&M-Sprecherin auf SPIEGEL-Anfrage.

Weltweit sind von den behördlich angeordneten Schließungen nach Angaben des Modehändlers vom vergangenen Montag mehr als 3400 der über 5000 H&M-Filialen betroffen. Auch in Großbritannien hatte der Modefilialist bereits angekündigt, die Mietzahlungen stoppen zu wollen.

Auch der Sportartikelhersteller Adidas, die Schuhkette Deichmann und viele andere Firmen zahlen für ihre wegen der Coronakrise geschlossenen Shops von April an keine Miete mehr.

Deichmann sehe sich gezwungen, die Miet- und Nebenkostenzahlung für seine 1200 Filialen in Deutschland ab April für die Dauer der behördlich angeordneten Zwangsschließungen auszusetzen, teilte Europas größter Schuhhändler mit. "Es handelt sich hier um eine präventive Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten."

Auch Adidas bleibt die Mietzahlungen vorerst schuldig. "Es ist richtig, dass Adidas, wie viele andere Unternehmen auch, vorsorglich Mietzahlungen temporär aussetzt, wo unsere Läden geschlossen sind. Wir sind dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch", sagte eine Sprecherin. Viele Länder haben die Schließung von Einzelhandelsgeschäften angeordnet, um die Ausbreitung des Coronavirus zu dämpfen. Adidas hält seine Läden in Nordamerika und Europa zunächst bis zum 29. März geschlossen.

Kündigung nicht möglich

In Deutschland sind Mieter von Wohn- und Geschäftsräumen zwar weiterhin verpflichtet, ihre Mieten zu zahlen. Jedoch kann ihnen bei Zahlungsrückständen aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 zunächst nicht gekündigt werden. Mit dem Notfallgesetz will die Politik verhindern, dass Wohnungsmieter ihr Zuhause verlieren und Ladenmieter ihre berufliche Existenz. Wer mit den Zahlungen in Rückstand gerät, hat bis Ende Juni 2022 Zeit, um die ausstehenden Mieten zu begleichen. Dafür kann der Vermieter in der Regel vier Prozent Verzugszinsen in Rechnung stellen.

"Wir gehen davon aus, dass viele Mieter von der Möglichkeit von Mietaussetzungen Gebrauch machen werden und müssen", sagte ein Sprecher des Hamburger Shoppingcenter-Investors Deutsche Euroshop.

Deichmann: Politik soll Mietschäden ersetzen

Mieter und Vermieter hoffen jedoch auf weitere Hilfe des Bundes. Deichmann erwarte von den politisch Verantwortlichen, dass die durch die Zwangsschließungen entstehenden Mietschäden für die beteiligten Vertragsparteien ersetzt werden, teilte der Konzern mit. 

Die ausbleibenden Mieten könnte die Gewerbeimmobilienbranche zunehmend unter Druck setzen. Erst am Donnerstag hatte die NordLB ihr Kursziel für den auf Einkaufszentren spezialisierten Immobilieninvestor Deutsche Euroshop halbiert. Durch den Rückgang der Mieteinnahmen im Zuge der behördlichen Schließungen der Geschäfte sei das Unternehmen direkt betroffen, schrieb der Experte. Je länger die Schließungsphase anhalte, desto stärker könnte auch die Leerstandsquote steigen. Für Umsatz und Ergebnis der Deutschen Euroshop rechnet er in diesem Jahr mit deutlichen Bremsspuren.

Die Hamburger wollen denn auch die Dividende in diesem Jahr streichen. Es seien mittlerweile alle Center aus dem Portfolio betroffen, hieß es Mitte März.

caw/dpa-AFX/Reuters