DIHK-Umfrage Jede elfte deutsche Firma sieht sich kurz vor dem Ruin

Die Rücklagen deutscher Unternehmen schmelzen in der Coronakrise dahin. Neun Prozent der Firmen drohen nach eigenen Angaben bald die Insolvenz.
Geschlossene Restaurants in Rüdesheim, Hessen

Geschlossene Restaurants in Rüdesheim, Hessen

Foto: Arne Dedert / dpa

Die Corona-Pandemie macht sich in den Bilanzen vieler Unternehmen bemerkbar: Rund 40 Prozent beklagen einen Rückgang ihres Eigenkapitals. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 13.000 Betrieben hervor. Etwa 27 Prozent kämpfen sogar mit Liquiditätsengpässen – trotz staatlicher Hilfen.

Über alle Branchen hinweg sieht sich derzeit gar jedes elfte Unternehmen von Insolvenz bedroht, 80 Prozent davon sind kleinere Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern.

Der DIHK sieht aber auch Industrieunternehmen hart getroffen, da sie bei kostenintensiven Produkten und Hochtechnologieinvestitionen häufig in Vorleistung gehen müssten. »Engen sich in der aktuellen Situation die Spielräume für Vorfinanzierungen zu sehr ein, droht die Gefahr, dass Unternehmen sogar trotz vorhandener Nachfrage nach ihren Produkten ums Überleben kämpfen müssen«, schreibt die Organisation. Darüber hinaus schränke der Engpass neue Investitionen in der Aufschwungphase ein.

Vielen Unternehmen würde es helfen, wenn sie die derzeit anfallenden Verluste stärker als bisher mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen könnten, so der DIHK. Ergänzend könne ein spezieller Fonds für Unternehmen mit Umsätzen von 10 bis 50 Millionen Euro geschaffen werden. Dort hinein könnten staatliche Mittel fließen, aber auch solche von privaten Kapitalanlegern.

Deutsche Firmen rechnen mit ungemütlichem Herbst

Trotz der Aussicht auf rasche Impfungen gegen das Coronavirus hatte sich zuletzt das Geschäftsklima in den deutschen Unternehmen eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im November auf 90,7 Punkte von 92,5 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Institut mitteilte. Die Manager beurteilten den Ausblick für ihre Geschäfte damit deutlich pessimistischer. »Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die deutsche Wirtschaft hatte sich nach dem Corona-Knick im Frühjahr zuletzt wieder gefangen und war im dritten Quartal um 8,5 Prozent gewachsen. Nun droht der Konjunktur durch die absehbare Verlängerung des Shutdowns in den Dezember hinein ein neuer Rückschlag. »Für die deutsche Wirtschaft wird der Herbst ungemütlich«, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

hej/Reuters
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