Allein von März bis Juni Coronakrise kostet Gastwirte 17,6 Milliarden Euro Umsatz

Sechs von zehn Betrieben bangen um ihre Existenz: Das Gastgewerbe steckt tief in der Coronakrise. Auch im Sommer war der Umsatz mau, für das gesamte Jahr rechnet die Branche mit einem Minus von 50 Prozent.
Leere Restauranttische im April in Berlin: Die Branche erwartet für das gesamte Jahr nur den halben Umsatz

Leere Restauranttische im April in Berlin: Die Branche erwartet für das gesamte Jahr nur den halben Umsatz

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Gastwirte in Deutschland befürchten wegen der Coronavirus-Pandemie massive Umsatzeinbußen im laufenden Jahr. Trotz der zuletzt etwas anziehenden Geschäfte dürfte sich das Minus 2020 insgesamt auf knapp 50 Prozent belaufen, wie aus einer aktuellen Umfrage  des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hervorgeht.

"Nach zehn Wachstumsjahren verzeichnet die Branche seit Anfang März Umsatzverluste historischen Ausmaßes", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Die Krise im Gastgewerbe ist noch längst nicht vorbei - trotz mancherorts gut gefüllter Biergärten und Ferienhotels." Fast 62 Prozent der Unternehmen bangten um ihre Existenz.

Die Einschränkungen und Auflagen treffen die Branche hart. "Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine größte Krise der Nachkriegszeit gestürzt", teilte der Verband mit. Bereits im ersten Halbjahr gab es nach Daten des Statistischen Bundesamtes ein Umsatzminus von nominal 38,5 Prozent. "Für die Monate März bis Juni bedeutet das einen Umsatzverlust von 17,6 Milliarden Euro", teilte der Dehoga mit.

Diese Summe ist jedoch nur ein Teil des gesamten Schadens. Denn Verbandsumfragen zufolge lagen auch in den Sommermonaten Juli und August die Umsätze 43,2 Prozent und 41,8 Prozent unter den Vorjahreswerten.

Lage vor allem in Städten schlecht

Dabei gibt es dem Dehoga zufolge große Unterschiede zwischen den Ferienorten und den Städten. Während Urlaubshotels und Ausflugsrestaurants vor allem mit Terrassen und Biergärten mehr Nachfrage verzeichneten, sei die Lage in den Städten sehr düster, teilte der Verband mit. Denn Messen, Tagungen sowie Kultur- und Sportveranstaltungen seien noch nicht wieder möglich, und Geschäftsreisende wie internationale Besucher fehlten.

"Die Situation der Stadt- und Tagungshotellerie sowie der Eventcaterer ist fatal", sagte Dehoga-Präsident Zöllick. Katastrophal sei auch die Lage bei den Diskotheken und Klubs, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive gebe. "Die Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und befürchten ein massives Disco- und Klubsterben."

Die Lobby der Gastwirte fordert weitere Hilfen der Politik, um existenziell betroffene Firmen durch die Krise zu bringen. In der Dehoga-Umfrage gaben rund 65 Prozent der Betriebe an, dass die bisher von Bund und Ländern angebotenen Liquiditätshilfen und Kreditprogramme nicht ausreichten, um zu überleben.

fdi/Reuters
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