Rückschlag für Jobmarkt Lockdown kostet Volkswirtschaft pro Woche 3,5 Milliarden Euro

Wochenlang geschlossene Läden dürften das Bruttoinlandsprodukt empfindlich drücken und vor allem Saisonbeschäftigte treffen, schätzen Arbeitsmarktforscher. Die Bundesregierung sieht die Konjunktur in Gefahr.
Leere Weihnachtsmarktbude auf dem Lüneburger Marktplatz

Leere Weihnachtsmarktbude auf dem Lüneburger Marktplatz

Foto: Philipp Schulze / dpa

Der bevorstehende Lockdown in Deutschland wird nach Einschätzung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) teuer für die Volkswirtschaft und vor allem Jobs von Saisonbeschäftigten gefährden sowie die Zahl der Kurzarbeiter deutlich steigen lassen. Jede Woche Lockdown dürfte beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) rund 3,5 Milliarden Euro oder vier Zehntel des Quartals-BIP kosten, sagte Enzo Weber von der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA). »Das wird die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland noch einmal belasten«, betonte Weber. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2019 in Deutschland etwa 3,44 Billionen Euro.

Insgesamt werde der Arbeitsmarkt zwar vergleichsweise robust bleiben, erwarten die Forscher. »Dennoch wird es einen Rückschlag geben«, sagte Weber. Gerade kurzfristige Saisonbeschäftigung dürfte entfallen, darunter viele Minijobs. Die Zahl der Kurzarbeiter werde wieder um etliche Hunderttausend steigen.

Zügige Neueinstellungen nach dem Lockdown nötig

Nach dem Lockdown seien zügige Einstellungen für einen Neustart des Arbeitsmarkts entscheidend, sagte Weber, der in der Vergangenheit finanzielle Anreize für Arbeitgeber gefordert hatte, die auch in der Krise neue Beschäftigte einstellen.

Seine Einschätzung, dass der Arbeitsmarkt insgesamt robust bleibe, begründete er damit, dass mittlerweile viele Erfahrungen mit Lockdown-Maßnahmen vorlägen und umfangreiche staatliche Stützungsmaßnahmen existierten. »Die bevorstehende Impfstoffzulassung gibt eine Perspektive auf ein Ende der akuten Corona-Phase«, sagte Weber. »Viele Betriebe werden deshalb versuchen, ihre Beschäftigten zu halten.« 

Pandemie-Verlauf ist ein Konjunkturrisiko

Die Bundesregierung rechnet angesichts der neuen Maßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung mit einem konjunkturellen Rückschlag. »Der wirtschaftliche Aufholprozess hat sich zuletzt weiter fortgesetzt, aber der Verlauf der Pandemie stellt ein Risiko dar«, warnte das Bundeswirtschaftsministerium in seinem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Der seit Anfang November bestehende Teil-Shutdown und die weiteren beschlossenen Maßnahmen zur Verringerung der sozialen Kontakte belasteten vor allem das Gastgewerbe sowie Unternehmen in den Sektoren Freizeit und Tourismus. »Mit dem jüngst beschlossenen harten Lockdown sind nun aber auch weitere Bereiche betroffen«, so das Ministerium. »Alles in allem dürfte das Wirtschaftswachstum in Deutschland im vierten Quartal einen merklichen Dämpfer erhalten.«

Die meisten Ökonomen gehen inzwischen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt sowohl im laufenden vierten Quartal als auch im ersten Vierteljahr 2021 schrumpfen wird. »Der Winter wird hart«, sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland. »Mit dem harten Lockdown und den Folgen für den Weihnachtsumsatz für den Einzelhandel ist der ›Double Dip‹ nicht zu vermeiden«, sagte auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. »Da können die Exporte und Industrie noch so gut laufen.« Bund und Länder beschlossen angesichts steigender Infektionszahlen, dass bis auf Lebensmittelgeschäfte oder Drogerien alle Läden ab Mittwoch schließen müssen – zunächst bis 10. Januar. 

kig/Reuters/dpa-AFX