Coronakrise Preis für US-Öl erstmals negativ

Wegen der Coronakrise ist der Preis für US-Rohöl auf einen historischen Tiefstand gefallen. Öl-Produzenten müssten Abnehmer theoretisch sogar dafür bezahlen, die Ware anzunehmen. Aber schon morgen dürfte der Preis wieder steigen.

Ölproduktion in Texas (Archivbild): Angebot und Nachfrage klaffen am Ölmarkt auseinander

Ölproduktion in Texas (Archivbild): Angebot und Nachfrage klaffen am Ölmarkt auseinander

Foto: NICK OXFORD/ REUTERS

Der Preis für US-Rohöl ist dramatisch abgestürzt. Der Kontrakt, der eine Öllieferung im Mai vorsieht, fiel zuletzt um deutlich mehr als zehn US-Dollar und notierte erstmals seit Aufnahme des sogenannten Future-Handels im Jahr 1983 im negativen Bereich je Barrel (159 Liter). Das hieße, die Öl-Produzenten müssten Käufern theoretisch Geld bezahlen, damit sie das Öl abnehmen.

Einerseits zeigt dies, wie stark Angebot und Nachfrage derzeit am Ölmarkt auseinanderklaffen. Andererseits handelt es sich um ein sehr spezielles Phänomen, bedingt durch den an diesem Dienstag verfallenden Mai-Terminkontrakt auf US-Öl. Aufgrund einer Mischung aus einer stark fallenden Nachfrage und einem viel zu hohen Angebot drohen in vielen Ländern die Lagerkapazitäten überschritten zu werden. Sobald der Kontrakt ab Dienstag nicht mehr gehandelt wird, ist der Preis für Rohöl wieder deutlich höher.

Die US-Regierung will den extrem niedrigen Ölpreis nutzen, um ihre strategischen Reserven aufzufüllen. Es sei geplant, dafür bis zu 75 Millionen Fässer Rohöl zu kaufen, sagte US-Präsident Donald Trump.

Der Juni-Preis ist deutlich höher

Der übernächste Terminkontrakt auf amerikanisches Leichtöl (WTI) kostete am Montagabend wesentlich mehr als der Mai-Kontrakt. Ein Barrel texanisches Leichtöl (WTI) zur Lieferung im Juni notierte am Abend bei 22,30 Dollar. Die Nordseesorte Brent kostete je Barrel 26,50 Dollar. Beide Preise waren allerdings auch gesunken.

Aufgrund der wesentlich höheren Preise für künftige Öllieferungen, nicht nur bei US-Öl, sprachen einige Marktteilnehmer von einem "Super-Contango". Eine solche Marktsituation ist gekennzeichnet durch steigende Ölpreise, je weiter ihre tatsächliche Auslieferung in der Zukunft liegt. Dies kann ein Zeichen für eine aktuell besonders schwache Nachfrage oder ein besonders hohes Angebot sein. Gegenwärtig trifft beides zu.

Die grundlegende Lage am Erdölmarkt ist gekennzeichnet durch ein viel zu hohes Angebot bei stark fallender Nachfrage. Die Coronakrise sorgt für einen globalen Konjunktureinbruch, was eine rückläufige Öl-, Benzin- und Dieselnachfrage zur Folge hat. Zwar haben große Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien unlängst deutliche Förderkürzungen angekündigt. Experten zweifeln jedoch, ob die Reduzierungen ausreichen, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.

Insbesondere in den USA könnten die Erdöllager keinen Platz mehr für neue Lieferungen bieten. Seit Ende Februar sind die Lagerbestände im wichtigen Auslieferungsort Cushing um fast 50 Prozent gestiegen. Infolgedessen fallen in der ölreichen Region Texas die gezahlten Abnahmepreise immer weiter. Mittlerweile geht sogar die Furcht um, dass vereinzelt bald negative Preise bei Rohölabnahme fällig werden, falls die Lagerkapazitäten noch weiter schrumpfen.

ptz/dpa
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