Coronakrise TUI streicht Angebot für Winterreisen noch weiter zusammen

Für die Reisebranche ist auch in den kommenden Monaten nicht an die Rückkehr zum Niveau der Vorkrisenzeit zu denken. Marktführer TUI hat nun sein Programm für die kalte Jahreszeit erneut ausgedünnt.
TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" in Cuxhaven: Ausbleibende Buchungen

TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" in Cuxhaven: Ausbleibende Buchungen

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David Hecker/ Getty Images

Bei TUI steht Kunden angesichts neuer Corona-Reisewarnungen und hoher Planungsunsicherheit ein deutlich eingeschränktes Winterprogramm zur Auswahl. Der weltgrößte Touristikkonzern aus Hannover strich für die bevorstehende Saison rund ein Fünftel des Angebots. Urlauber werden in den kommenden Monaten damit noch etwa 40 Prozent der ursprünglichen Kapazitäten nutzen können, teilte TUI mit. Zuletzt sei das ohnehin reduzierte Programm zu 30 Prozent gebucht gewesen.

Für das Wintergeschäft 2020/2021 meldete TUI einen Buchungsstand, der derzeit um 59 Prozent unter dem Vorjahreswert liege. Die Preise seien im Schnitt um drei Prozent höher. Ziel sei es, den Kunden trotz des gekürzten Programms "weiterhin verantwortungsvoll eine Vielzahl sicherer Winterurlaubs-Optionen" anbieten zu können. Man müsse jedoch nach wie vor mit geänderten Reisehinweisen rechnen, "sodass sich der Trend zu kurzfristigen Buchungen fortsetzen wird, bis die Gäste eine größere Planungssicherheit haben".

Für den Sommer 2021 zeigte sich TUI hingegen zuversichtlicher. Viele Bereiche seien in großen Teilen wieder angelaufen, auch bei Kreuzfahrten gehe es schrittweise voran. Bei TUI Cruises sind drei von sieben Schiffen im Einsatz, bei Hapag-Lloyd Cruises drei von fünf. Vorstandschef Fritz Joussen hatte unter anderem ein Konzept für kürzere Fahrten in der Nord- und Ostsee vorgelegt. Für sämtliche Passagiere ist inzwischen ein Covid-19-Test im Programm enthalten, der vor Antritt der Reise absolviert werden muss. 44 Prozent der konzerneigenen Hotels waren bis Ende August wiedereröffnet.

Die Pandemie ist für die Reisebranche zu einer existenziellen Krise geworden. Nach gut dreimonatigem Stillstand fuhr TUI von Mitte Juni an den Betrieb langsam wieder hoch. "Seit der Wiederaufnahme sind 1,4 Millionen Kunden mit uns in den Urlaub gefahren", sagte Joussen zum Zeitraum bis Ende August. Doch Reisewarnungen und -hinweise lassen viele Verbraucher bei langfristigen Buchungen zögern.

Für Sommer 2021 hält TUI an der Planung fest, 80 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität anzubieten. Aktuell gebe es "eine positive Buchungsentwicklung" - allerdings auch wegen eines Corona-Sondereffekts: Viele Urlauber haben ihre Reisen auf das kommende Jahr umgebucht, TUI zog den Buchungsstart für die Sommersaison 2021 außerdem vor. Die Preise stiegen um zehn Prozent.

Finanziell ist das Unternehmen stark unter Druck. Möglicherweise wieder zunehmende Rückerstattungen an die Kunden wegen veränderter Reisehinweise könnten die verfügbaren Mittel weiter verknappen. Einschließlich des im August vereinbarten bereitstehenden Staatskredits des Bundes von 1,2 Milliarden Euro hat TUI Zugriff auf eine Liquidität von rund zwei Milliarden Euro.

fdi/dpa
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