Sparkassen-Präsident Viele Firmen drohen bei Förderkrediten leer auszugehen

Sparkassen-Präsident Schleweis warnt vor einer Pleite zahlreicher kleiner und mittlerer Unternehmen in der Coronakrise. Die bisherigen staatlichen Stützprogramme würden für sie nicht greifen.
Helmut Schleweis (Archiv): "Manchen wird man nicht helfen können"

Helmut Schleweis (Archiv): "Manchen wird man nicht helfen können"

Foto: Axel Heimken/ DPA

Die Bundesregierung will Firmen, die an den Einschränkungen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie leiden, mit Sonderkrediten vor einer Insolvenz bewahren. Doch das Sonderprogramm der staatlichen Förderbank KfW wird laut Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis vielen Unternehmern kaum nutzen.

Er sei sich zwar sicher, "dass die Zahl der Kreditanträge für die verschiedenen Förderprogramme von Bund und Ländern noch exponentiell ansteigen wird", sagte Schleweis dem "Handelsblatt ". "Klar ist aber auch: Manchen Unternehmen wird man mit den bestehenden Förderprogrammen nicht helfen können." Viele Firmen, die in der Coronakrise am dringendsten Hilfe benötigten, könnten auf die Stützungsprogramme von Bund und Ländern nicht zugreifen.

Im Rahmen des KfW-Programms bekommen nur jene Unternehmen ein Darlehen, die dieses innerhalb von fünf Jahren voraussichtlich wieder zurückzahlen können. "Bei vielen Firmen aus Branchen, die unter der Coronakrise besonders stark leiden, ist dies aktuell nicht der Fall", sagte Schleweis der Zeitung.

Kein Kredit trotz funktionierendem Geschäftsmodell

Betroffen sind dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zufolge vor allem Firmen aus den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Eventmanagement, Catering sowie aus den Sektoren Reise, Verkehr, Logistik, Touristik und Luftfahrt. Diese Unternehmen bekämen häufig keine Förderkredite, "obwohl sie über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen, wenn die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder anläuft". Denn viele dieser Unternehmen lebten von ihrem laufenden Umsatz, die Margen und Rücklagen seien relativ niedrig.

Damit solche Unternehmen nicht durch das Raster fallen, müsse die Politik zusätzliche Maßnahmen beschließen. "Für solche Unternehmen sind andere Hilfen als Kredite nötig, um die Coronakrise zu überbrücken", sagte Schleweis. "Denkbar wären direkte Zuwendungen des Staates. Eine andere Option wären 100-prozentige Garantien für Kredite, die erst in sehr ferner Zukunft zurückgezahlt werden müssen."

Förderprogramme der Bundesländer für Unternehmer und Selbstständige

Bund

Berlin

Brandenburg

Sachsen-Anhalt

Mecklenburg-Vorpommern

  • Hotline für Unternehmen: 0385 588 5588 (erreichbar Mo. bis Fr., 8 bis 20 Uhr)

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Bremen

Hamburg

Hessen

Sachsen

Thüringen

Bayern

Rheinland-Pfalz

Saarland

Baden-Württemberg

Im Rahmen des KfW-Kreditprogramms übernimmt der Staat aktuell 80 bis 90 Prozent der Haftung. Die Lücke von 10 bis 20 Prozent hatte unter anderem der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bereits heftig kritisiert. DIHK-Präsident Eric Schweitzer warnte vor einer Pleitewelle, wenn Anträge auf Hilfsgelder von den Banken nicht bewilligt werden.

Bund und Länder hatten am Wochenende vereinbart, dass die Hilfszahlungen aus den Rettungsprogrammen schnell fließen sollen. Bis einschließlich Freitag lagen der KfW 742 Anträge über insgesamt gut 8,2 Milliarden Euro vor. Für Kredite bis drei Millionen Euro pro Unternehmen verzichtet die KfW auf eine eigene Risikoprüfung. Bei Summen bis zehn Millionen Euro gibt es eine vereinfachte Prüfung. Die Zinsen liegen je nach Größe des Unternehmens zwischen 1 und 2,12 Prozent bei Krediten mit fünf Jahren Laufzeit.

Schleweis: Kredit- und Risikoprüfung "zwingend vorgeschrieben"

"Bei den Sparkassen gab es im Zuge der Coronakrise bisher rund 300.000 Anfragen von Firmenkunden", sagte Schleweis. "Etwa in der Hälfte der Fälle konnten wir zusammen mit den Unternehmen bereits eine erste Lösung finden." In den meisten Fällen sei es um den Umgang mit bestehenden Krediten gegangen, zudem hätten sich Tausende Unternehmen über bestehende Kreditlinien zusätzliche Liquidität gesichert.

Vorwürfen zum Beispiel aus der Wirtschaft, die Auszahlung der Hilfsgelder gehe nicht schnell genug, begegnete Schleweis wie andere Vertreter der Kreditwirtschaft mit dem Hinweis auf Kreditrisiken: "Offensichtlich haben manche die politische Kommunikation so verstanden, dass der Staat für alles haftet. Das ist aber nicht der Fall. Die staatlichen Förderinstitute verlangen von den Hausbanken bei Förderkrediten, dass sie bankübliche Standards einhalten." Eine "Kredit- und Risikoprüfung durch die Hausbank" sei "zwingend vorgeschrieben".

apr/dpa/Reuters
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