Kreditprogramm der KfW So kommen Firmen an die Corona-Hilfen

Die Coronakrise bedroht viele Unternehmen, die Bundesregierung hat für sie einen milliardenschweren Schutzschirm aufgespannt. Der SPIEGEL erklärt, wie die Hilfen beantragt werden - und wo die Grenzen liegen.
KfW-Zentrale in Frankfurt am Main: Bestehende Programme erweitert

KfW-Zentrale in Frankfurt am Main: Bestehende Programme erweitert

Foto: Uwe Anspach/ DPA

Von den Taxifahrern bis zum Touristikkonzern TUI: Ähnlich rasant wie die Zahl der Erkrankten steigt in Deutschland derzeit die Zahl der Unternehmen und Branchen, die wegen des Coronavirus von massiven Einbußen berichten und staatliche Hilfen verlangen.

Darauf hat die Bundesregierung Ende vergangener Woche mit einem sogenannten Milliardenschutzschild für Unternehmen reagiert. Er umfasst Punkte wie die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes oder Steuerstundungen. Am interessantesten aber dürfte aus Sicht vieler Unternehmer jener Teil sein, den Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stolz als "Bazooka" bezeichnete: Kredite und Bürgschaften in grundsätzlich unbegrenzter Höhe, die Firmen durch die Coronakrise helfen sollen. Vergeben werden sie über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Ähnlich hatte vor rund einem Jahrzehnt in der Eurokrise auch EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt, dass man alles tun werde, um den Euro zu retten. Die Zentralbank konnte anschließend mit milliardenschweren Ankäufen von Staatsanleihen tatsächlich die Märkte beruhigen. Diesmal allerdings dürfte das Manöver deutlich komplizierter werden. Die KfW muss weiterhin jeden einzelnen Antrag prüfen, den notleidende Unternehmen stellen. Der SPIEGEL erklärt, was dabei zu beachten ist.

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An wen können sich Unternehmen wenden?

Die KfW verfügt über keine eigenen Filialen, deshalb beantragen Unternehmen Kredite normalerweise über ihre Hausbank. "So ist es auch in diesem Fall", sagt KfW-Sprecherin Alia Begisheva. Wer keine Hausbank hat, kann sich an einen der Finanzierungspartner der KfW wenden. Dazu gehören Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Geschäftsbanken. Sie überprüfen den Antrag und leiten diesen dann an die KfW weiter.

Wer kann die Hilfen beantragen? 

Grundsätzlich kann jeder einen Antrag auf Corona-Hilfen stellen: Unternehmen ebenso wie Selbstständige und Freiberufler, kleine und mittelständische Firmen ebenso wie Konzerne. Für die Hilfen hat die KfW drei schon bestehende Programme erweitert. Zwei davon richten sich an Unternehmen, die schon seit fünf Jahren auf dem Markt sind, ein weiteres an jüngere Firmen. 

"Wir können allen helfen, und wir werden es auch", hatte Scholz im ZDF angekündigt. Dieses Versprechen wird die KfW aber kaum erfüllen können. Zum einen ist es Zweck des Programms, "unverschuldete Finanznöte" im Zusammenhang mit der Coronakrise zu lindern. Wenn ein Unternehmen eigentlich aus völlig anderen Gründen in der Krise steckt, dürfte es beim Antrag in Erklärungsnöte kommen.

Zudem übernimmt die KfW bei Corona-Hilfen zwar je nach Programm zwischen 70 und 90 Prozent der Risiken für die vermittelnden Finanzierungspartner - und damit mehr als sonst. Dennoch prüft die Hausbank wie gewohnt die Bonität. Dabei kann ein Antragsteller wie bisher auch für nicht kreditwürdig befunden werden. In solchen Fällen dürfte es mit dem KfW-Kredit schwierig werden, Corona hin oder her.

Wie lange dauert es, bis über den Antrag entschieden wird?

Obwohl das Interesse an den Hilfen groß sein dürfte, ist für die Bearbeitung der Anträge bislang kein spezielles Verfahren geplant. "Es geht schnell", verspricht Sprecherin Begisheva. Die Entscheidung sei eher "nichts, was Wochen oder Monate in Anspruch nimmt". In der Vergangenheit berichteten viele KfW-Kunden von Wartezeiten zwischen zwei und vier Wochen. Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, ist da erheblich skeptischer. Er befürchtet, dass sich die Wartezeiten erheblich verlängern werden, wenn der Ansturm auf die Liquiditätshilfen erst richtig einsetzt. 

Was kostet es?

"Die Zinsen sind unverändert", sagt KfW-Sprecherin Begisheva. "Was sich verändert hat, ist die Risikoübernahme". Damit gelten für Corona-Hilfen die üblichen Zinssätze der KfW, eine aktuelle Übersicht findet sich unter diesem Link . Aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase kann die KfW sehr günstige Kredite anbieten. Ihr Finanzierungspartner darf aber wie gewohnt eine eigene Marge aufschlagen. "Im Idealfall kann der Effektivzins gleich null sein", sagt Begisheva.

Wie groß ist das Interesse?

Noch gibt es dazu keine offiziellen Zahlen der KfW, schließlich wurde das Kreditprogramm erst am Freitag vorgestellt. Doch die Zahl der Interessenten dürfte angesichts der dramatischen Entwicklung in vielen Branchen enorm sein. "Viele Unternehmen rufen selbst in der Pressestelle an", bestätigt Begisheva. Die Bundesregierung hat bereits in Aussicht gestellt, dass sie bei entsprechendem Bedarf den Garantierahmen von derzeit einer halben Billion Euro erweitern könnte. 

Welche Unternehmen kommen für die Liquiditätshilfen infrage? 

Alle Unternehmen, die auch unter normalen Umständen einen Kredit bei der KfW beantragen können. Die Bank unterscheidet dabei zwischen Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, und solchen, die erst am Beginn stehen. Auch Freiberufler und Selbstständige können um die Liquiditätshilfen nachsuchen.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Angesichts der zu erwartenden hohen Anzahl der Anträge drängt sich die Frage auf, wie sich die Spreu vom Weizen trennen lässt: Welche Unternehmen sind tatsächlich infolge der Coronakrise in Not geraten, und welche waren schon zuvor wenig solide finanziert? Eine Abwägung, die nach Einschätzung von IW-Experte Röhl im Einzelfall sehr schwierig ist – vor allem wenn Eile bei der Bearbeitung der Anträge geboten ist.

Im ersten Schwung dürften, glaubt Röhl, jene Unternehmen zum Zuge kommen, deren Geschäft auf Kontakt mit vielen Kunden beruht: Geschäfte, Restaurants oder Ausflugsschiffe zum Beispiel. Auf dem Bau oder in Handwerksbetrieben müsse abgewogen werden, wie eng der Kontakt der Mitarbeiter untereinander sei. Wenn diese weitgehend allein an ihrem Werkstück arbeiteten, sei zumindest in der aktuellen Lage eine Fortsetzung des Betriebs denkbar. Aber auch hier könne sich die Lage jederzeit ändern.

Werden die KfW-Kredite reichen, um die Härten wirksam abzufedern?

Wahrscheinlich nicht. Denn in vielen Fällen ist betroffenen Unternehmen mit der Überbrückung der Durststrecke allein nicht geholfen. Die laufenden Kosten - Miete, Energie, Gehälter, Kredit- und Leasingkosten - summieren sich ja immer weiter, während die Umsätze ausbleiben. Nicht wenige Kleinbetriebe dürften mit dieser Last überfordert sein. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert deshalb von der Bundesregierung bereits "sofort Direktzahlungen", um eine Welle von Insolvenzen abzuwenden. "Alle Kosten laufen ja weitestgehend weiter", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Auch die Verlustvorträge in der Steuererklärung werden nach Einschätzung von Röhl nicht ausreichen. Denn um Verluste im nächsten Jahr mit der Steuerlast aufrechnen zu können, müssten die Betriebe erst einmal die aktuelle Krise überstehen.

Das Problem ließe sich zum Beispiel mit einer Negativsteuer lösen, so der IW-Experte. Damit könnten die Verluste anteilig ausgeglichen werden. Auch die Geschäftspartner seien in der Pflicht. Manchmal sei es besser, Zahlungsziele großzügiger zu bemessen oder auf einen Teil der Miete zu verzichten, als einen Kunden oder Mieter zu verlieren: "Es hat ja keinen Sinn, dass am Ende alle Netzwerke zerrissen sind, auf denen die Wirtschaft aufbaut."