Hohe Corona-Fallzahlen Scholz droht Firmen mit Testpflicht

Firmen sollen ihre Mitarbeiter regelmäßig auf Corona testen, fordert Vizekanzler Olaf Scholz. Sonst werde die Regierung eine Pflicht einführen. Doch laut den Betrieben mangelt es an Tests.
Vizekanzler Scholz: Tests aus Eigeninteresse forcieren

Vizekanzler Scholz: Tests aus Eigeninteresse forcieren

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Die Bundesregierung droht den Unternehmen mit einer härteren Gangart bei Coronatests. Vizekanzler Olaf Scholz hat die Arbeitgeber in Deutschland dazu ermahnt, ihre Mitarbeiter regelmäßig auf das Coronavirus zu testen. Es sei nötig, dass die Unternehmen, die durch die Bestellungen der Vergangenheit nun »viele, viele Tests« zur Verfügung hätten, diese auch einsetzten, sagte der SPD-Kanzlerkandidat im ZDF-»Morgenmagazin«.

Er gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft »auch aus Eigeninteresse« daran halten werde. Sollte dies aber nicht geschehen, kündigte Scholz an, Arbeitgeber Anfang April per Verordnung zu den Tests für Mitarbeiter zu verpflichten. Das sei im jüngsten Bund-Länder-Beschluss auch so vorgesehen.

Die meisten großen Unternehmen bieten Mitarbeitern bereits Schnelltests an – überwiegend jedoch auf freiwilliger Basis. Fachleute warnen zudem, Schnelltests können Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz nicht ersetzen.

Anders als Vizekanzler Scholz sieht der Handwerksverband ZDH noch immer zu wenig verfügbare Tests. Laut dem Verband bietet rund die Hälfte der Betriebe ihren Beschäftigten bereits Coronatests an oder plant dies zumindest zeitnah. »Bei den anderen scheitert es häufig nicht am Willen, sondern fehlenden Testkits«, teilte der Verband mit.

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer warnte angesichts des erneut verlängerten Lockdowns vor einer Pleitewelle. »Damit mag ein Kollaps des Gesundheitssystems vermieden werden. Ein breitflächiger Betriebe-Kollaps wird jedoch immer wahrscheinlicher«, sagte Wollseifer. »Angesichts eines weiterhin fehlenden Planungshorizonts, dazu auch noch stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen, werden viele Betriebe nicht überleben können.«

Wollseifer kritisierte das Impfmanagement der Regierung. »Impfen ist das zentrale Instrument, mit dem wir aus dieser Pandemie herauskommen. Hier hakt es weiter erheblich mit fatalen Folgen«, sagte er. Mit schnellem Impfen und Testen könne man unabhängig von den Fallzahlen wieder mehr öffnen.

Bund und Länder haben angesichts der rapide steigenden Neuinfektionen beschlossen, das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben über Ostern weitgehend herunterzufahren. Der seit mehr als drei Monaten geltende Lockdown wird um drei Wochen bis zum 18. April verlängert.

mmq/Reuters
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