"Schutzschirm für Ausbildung" Corona-Prämie für Firmen bei Übernahme von Azubis 

Hunderttausenden Betrieben geht es schlecht. Um Lehrlingen trotzdem eine Perspektive zu geben, soll eine Prämie an die Firmen fließen, die Azubis von insolventen Firmen übernehmen.
Schweißarbeiten bei einer Berufsbörse in Braunschweig (Archiv)

Schweißarbeiten bei einer Berufsbörse in Braunschweig (Archiv)

Foto: Rainer Jensen/ DPA

In der Coronakrise könnte sich so manches angeschlagene Unternehmen überlegen, ob es noch Auszubildende einstellen - oder übernehmen kann. Um ihnen trotz Konjunkturflaute zu helfen, haben sich Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften zusammengetan. Die sogenannte Allianz für Aus- und Weiterbildung hat gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit verschiedene Schritte vereinbart, um einen Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt zu verhindern.

So sollen Betriebe, die Azubis von insolventen Firmen übernehmen, eine staatliche Prämie bekommen. Zudem soll die Beratung von Jugendlichen und Betrieben noch gezielter werden - auch mit mehr digitalen Formaten.

Die Übernahmeprämie soll es zunächst befristet bis zum Ende des Jahres geben. Wie hoch sie ausfällt, ist noch unklar. Die Details dazu würden derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Wirtschaft hielt sich mit konkreten Forderungen zur Höhe zurück.

Wegen der Coronakrise sind Hunderttausende Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Besonders betroffen ist zum Beispiel die Hotel- und Gastrobranche. Befürchtet wird, dass Firmen als Ausbildungsbetriebe wegbrechen und dass andere aus Verunsicherung wegen der Krise ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren. Schon Anfang Mai hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) von einem Minus von acht Prozent bei den Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Mai 2019 gesprochen.

"Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung sind sich einig, dass die Coronakrise nicht zu einer Krise auf dem Ausbildungsmarkt führen darf, mit negativen Auswirkungen auf die berufliche Zukunft junger Menschen und die Fachkräftesicherung", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Lage war schon vorher schwierig

Hinzu kommt, dass die Situation auf dem Lehrstellenmarkt auch ohne Corona schon problematisch war. Laut dem kürzlich veröffentlichten jährlichen Berufsbildungsbericht boten die Betriebe 2019 rund 11.000 Ausbildungsstellen weniger an als 2018. Gleichzeitig sank aber auch die Zahl der Bewerber. Rechnerisch bestand damit zwar weiterhin ein Überangebot, aber sinkende Azubi-Zahlen bedeuten auch sinkenden Fachkräftenachwuchs.

"Gemeinsames Ziel muss es nun sein, einen Corona-Jahrgang junger Menschen ohne Berufsabschluss zu verhindern", sagte Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall. Insbesondere die Unternehmen müssten Verantwortung übernehmen und auf die in einigen Betrieben bereits angekündigte pandemiebedingte Reduzierung von Ausbildungsstellen verzichten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) begrüßte die geplante Prämie für Unternehmen, die Azubis von insolventen Betrieben übernehmen, forderte aber weitergehende Hilfen. Ein gutes Beispiel sei Mecklenburg-Vorpommern, wo die Landesregierung 80 Prozent der Ausbildungsvergütungen in Unternehmen übernehme, wenn diese trotz Kurzarbeit die Ausbildung fortsetzten, sagte die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge.

apr/dpa
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