Corona-Prävention Altmaier mischt sich in Heizpilz-Debatte ein

Beim Restaurantbesuch draußen sitzen: Im Winter geht das nur mit Heizpilzen. Wirtschaftsminister Altmaier sympathisiert mit Gastronomen, die auf die CO₂-Schleudern zurückgreifen wollen. Umweltschützer sind entsetzt.
Heizpilze auf einem Weihnachtsmarkt (Archivbild): "Energiepolitischer Offenbarungseid" - oder Corona-Prävention?

Heizpilze auf einem Weihnachtsmarkt (Archivbild): "Energiepolitischer Offenbarungseid" - oder Corona-Prävention?

Foto: Franka Bruns/ AP

Heizpilze vor Cafés oder Gaststätten sind aus Umweltschutzgründen vielerorts verboten. Die Strahler werden meist mit Propangas betrieben und geben neben Wärme auch vergleichsweise viel Kohlenstoffdioxid (CO₂) ab. Um der in der Coronakrise eh schon gebeutelten Gastronomie im Herbst und Winter zu helfen, hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier einen Kompromiss vorgeschlagen.

Es könne der Branche in Corona-Zeiten dienen, wenn man es in der Übergangszeit im Herbst den Menschen ermögliche, "draußen sicher zu sitzen und damit zum Bestand der Gastronomie beizutragen", sagte der CDU-Politiker. Die "bescheidenen Energiekosten" könnten klimapolitisch ausgeglichen werden, sagte er und plädierte für eine "differenzierte" Herangehensweise.

Für eine solche CO₂-Kompensation hätten "auch große Unternehmen" Geschäftsmodelle entwickelt. Damit könnten die Menschen "am Ende etwas für den Klimaschutz" tun und trotzdem der Gastronomie ermöglichen, ihr Geschäftsmodell auch "in der nicht ganz so heißen Jahreszeit fortzusetzen", sagte Altmaier.

Grünenpolitiker Hofreiter kann sich Ausnahme vorstellen

Gastronomen hatten zuletzt eine bundesweite Zulassung der Geräte gefordert, um auch im Herbst und Winter mehr Gäste im Freien bedienen zu können. "Die Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen haben, sollten es in diesem Herbst und Winter aussetzen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges, dem "Tagesspiegel". Wirte, die keine andere Möglichkeit hätten, sollten in diesem Winter Gasheizpilze und Elektrowärmestrahler verwenden dürfen. Dies soll dem Infektionsschutz dienen.

Umweltschutzverbände protestierten umgehend. Der klima- und energiepolitische Sprecher der Linkenfraktion im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, nannte die Idee Altmaiers nun einen "erneuten energiepolitischen Offenbarungseid". Altmaier habe "noch immer nicht verstanden, dass das Klima nicht gegen Jobs aufgewogen werden darf". Es gehe in der Klimakrise längst nicht mehr um CO₂-Kompensation, sondern um Vermeidung der Klimagase überall auf dem Planeten. "Jedes Gramm CO₂ zusätzlich ist ein Gramm zu viel." Wer wegen Corona im Freien essen und trinken wolle, der könne sich einfach dicker anziehen.

Die Grünen dagegen halten eine Ausnahme für vertretbar: "Aus klima- und umweltpolitischen Gründen lehnen wir in Zeiten, in denen man im Restaurant oder Café im Winter ganz normal drinnen sitzen kann, den Betrieb von Heizpilzen im Außenbereich ab", hatte Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter gesagt. "In diesem Winter ist das alles anders, und daher wäre ich in dieser speziellen Ausnahmesituation und mit Blick auf den Gesundheitsschutz dafür, Verbote zeitlich befristet auszusetzen."

apr/AFP/dpa
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