Corona-Quartal Siemens macht Milliardengewinn

Die Coronakrise hat dem Siemens-Konzern überraschend wenig anhaben können. Zwar gingen Umsatz und Gewinn zurück - unter dem Strich blieb jedoch ein Milliardenplus.
Siemens-Manager Kaeser und Busch: Lieferketten blieben erhalten

Siemens-Manager Kaeser und Busch: Lieferketten blieben erhalten

Foto: Andreas Gebert/ REUTERS

Das Geschäft von Siemens ging in der Coronakrise nur leicht zurück. Der Umsatz des Münchner Technologiekonzerns schrumpfte in den drei Monaten von April bis Juni um fünf Prozent auf 13,5 Milliarden Euro, der Auftragseingang lag um sieben Prozent niedriger, bei 14,4 Milliarden, wie der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser am Donnerstag mitteilte. Vor allem die Zug-Sparte und Software zur Industrieautomatisierung stützten das Geschäft. Der bereinigte operative Gewinn im Industriegeschäft stieg im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (Ende September) sogar um acht Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Analysten hatten Siemens im Schnitt nur 1,17 Milliarden zugetraut und mit deutlich stärkeren Umsatz- und Auftragseinbrüchen gerechnet.

"Trotz der weiterhin sehr ernsten, globalen Pandemie halten wir erfolgreich Kurs und konnten im dritten Quartal eine überzeugende operative Performance abliefern", erklärte Kaeser. Die Lieferketten seien weitgehend intakt geblieben. Zu dem verbesserten EBITA trugen auch Kurzarbeit und um 70 Prozent gesunkene Reisekosten bei. Siemens profitierte auch von einer Zuschreibung von mehr als 200 Millionen Euro auf die Beteiligung am Softwareunternehmen Bentley Systems.

Unter dem Strich halbierte sich der Gewinn allerdings auf 535 Millionen Euro. Dafür verantwortlich waren neben höheren Steuern vor allem die Verluste bei der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa. Sie wird als Teil der Energietechnik-Sparte Siemens Energy am 28. September an die Börse gebracht. Siemens Energy dürfte damit insgesamt tiefrote Zahlen geschrieben haben, auch wenn der Rest der Sparte "leicht positive" Ergebnisse ablieferte. Mit der Abspaltung gibt Siemens die Mehrheit der Anteile ab, 55 Prozent bekommen die Siemens-Aktionäre ins Depot gebucht. Die Kosten der Abspaltung dürften den Gewinn im Gesamtjahr "wesentlich belasten", warnte Siemens.

Deshalb gibt der Konzern auch weiterhin keine Gewinnprognose ab. Der Umsatz werde wegen der Corona-Pandemie "moderat", also um drei bis fünf Prozent unter Vorjahr liegen. Nach neun Monaten steht ein Minus von zwei Prozent zu Buche. Das Sparprogramm für das Kerngeschäft soll beschleunigt werden: Die Automatisierungssparte Digital Industries soll die geplanten 320 Millionen Euro schon 2021 eingespart haben, zwei Jahre früher als gedacht. In der Gebäude- und Infrastrukturtechnik will Siemens bis 2023 nun 340 Millionen Euro einsparen - 40 Millionen mehr als geplant.

mik/Reuters
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