Corona-Schaden Versicherung muss Münchner Wirt eine Million Euro zahlen

Im Frühjahr musste ein Wirt in München seinen Biergarten schließen. Trotz einer Versicherung weigerte sich sein Anbieter zu zahlen. Nun hat der Gastronom vor Gericht gesiegt - und gibt Tausenden Kollegen Hoffnung.
Biergarten in München Ende März: Allein in München mehr als 60 Verfahren

Biergarten in München Ende März: Allein in München mehr als 60 Verfahren

Foto: Sven Hoppe / DPA

Dieses Urteil wird Tausende Gastronomen in Deutschland freuen: Die Versicherungskammer Bayern muss einen Münchner Biergartenbetreiber mit einer Millionensumme für die staatlich verordnete Schließung seines Lokals in der Coronakrise entschädigen. Das Landgericht München verurteilte den öffentlichen Versicherer zur Zahlung von 1,01 Millionen Euro, weil Christian Vogler seinen Augustinerkeller - einen der größten Biergärten in der bayerischen Metropole - im Frühjahr wochenlang schließen musste.

Die Versicherungskammer könne sich nicht darauf berufen, dass die Corona-Pandemie nicht mitversichert gewesen sei, zumal Vogler den Vertrag erst Anfang März, also wenige Wochen vor den Zwangsschließungen, abgeschlossen hatte, sagte Richterin Susanne Laufenberg. Die Versicherungsbedingungen seien intransparent.

Das Urteil ist das erste in Dutzenden Verfahren, die allein in München in dem Streit zwischen Gastwirten und ihren Versicherern anstehen. "Ganz Deutschland wird davon profitieren", freute sich Vogler nach der Urteilsverkündung. Er habe weniger für sich gekämpft als für viele andere Wirte. "Es geht um die Existenz von Betrieben." Auch die Allianz wehrt sich in mehreren Prozessen gegen die Forderung von Gastronomen. 

In ganz Deutschland gehen Tausende Gastronomen gerichtlich gegen ihre zahlungsunwilligen Versicherer vor. Rund 73.000 Gastwirte besitzen eine Betriebsschließungsversicherung. In den meisten Fällen haben die Anbieter dieser Versicherungen bislang alle Ansprüche zurückgewiesen. Die Konzerne begründen ihre Haltung damit, dass die Versicherung nur dann greife, wenn eine Behörde einen konkreten Betrieb schließe, nicht aber, wenn dies aufgrund allgemeiner Verfügungen flächendeckend geschehe.

fdi/Reuters
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