Schlupfloch Abholstation So nutzen Händler die Lockdown-Lücken

Zahlreiche Geschäfte tricksen bei dem Versuch, zumindest einen Teil ihres Geschäfts aufrechtzuerhalten.
Abholstation an einem Toom-Baumarkt in Grevenbroich: Schrauben trotz Shutdown

Abholstation an einem Toom-Baumarkt in Grevenbroich: Schrauben trotz Shutdown

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Jonas Güttler / dpa

Viele Einzelhandelsgeschäfte versuchen, die derzeit schärferen Corona-Maßnahmen für sich etwas aufzuweichen. Wo die Verordnungen es zulassen, nutzen sie dabei ihre eigentlich geschlossenen Läden als Abholstellen für online oder telefonisch bestellte Waren.

Für Diskussionen sorgte etwa die Ankündigung der Parfümeriekette Douglas, nicht nur den Abholservice anbieten, sondern auch einige Filialen offen lassen zu wollen - schließlich erlaube der Warenbestand, sich als Drogerie zu bezeichnen. Die Gewerkschaft Ver.di in Hessen sprach von einem »anrüchigen Unterlaufen des Lockdowns«. Mittlerweile ist Firmenchefin Tina Müller zurückgerudert, die Filialen bleiben bis auf Weiteres geschlossen.

Schlupflöcher suchen jedoch auch Baumärkte oder Buchläden, Warenhäuser oder Elektronikmärkte: Galeria Karstadt Kaufhof etwa verspricht »Weihachtsgeschenke bis zum Schluss«. Kunden können kurzfristig Ware online reservieren und dann kontaktlos an den Abholstationen in den Filialen entgegenzunehmen.

Die Elektronikketten Media Markt und Saturn nutzen ihre Filialen derzeit als Pick-up-Stationen. Ein ähnliches Angebot habe es schon im ersten Lockdown gegeben und sei von den Kunden gern genutzt worden, berichtete ein Unternehmenssprecher. Der Deko-Artikel-Spezialist Butlers bietet Ähnliches an.

Viele Buchhändler, vom Branchenriesen Thalia bis zum Buchladen von nebenan, versuchen ebenfalls, mit Abholangeboten den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns ein Schnippchen zu schlagen. »Abholangebote sind gerade für die kleinen Buchhandlungen superwichtig«, sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Sie profitierten dabei vom engen Kontakt zu ihren Stammkunden.

Modegeschäfte profitieren wenig

Baumarktketten wie Obi, Bauhaus oder Hornbach bieten den Kundinnen und Kunden im Shutdown die Möglichkeit, benötigte Materialien und Produkte online zu reservieren und dann in den Filialen abzuholen. Handelsverbände hatten für diese Abhollösung gekämpft, auch wenn die beiden letzten Verkaufstage vor dem harten Shutdown nach Brancheneinschätzung noch etliche Verbraucher genutzt haben könnten, um letzte Geschenke zu kaufen.

Weniger verbreitet sind die im Fachjargon Click&Collect genannten Abholangebote nach Angaben des Handelsverbandes Textil (BTE) aktuell in der Modebranche. Zwar gebe es einige mittelständische Modegeschäfte, die diesen Service anböten, sagte BTE-Sprecher Axel Augustin. »Aber dass man damit die Saison rettet, davon sind wir ganz weit weg.« Oft rechne es sich nicht, den Laden dafür offen zu halten. Denn Mode eigne sich angesichts der Passformproblematik dafür längst nicht so gut wie etwa Bücher oder Elektronik.

Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann bietet zwar in normalen Zeiten seinen Kunden die Möglichkeit, online bestellte Schuhe in den Filialen abzuholen. Doch im Shutdown hat das Unternehmen das Angebot eingestellt. Die Filialen seien geschlossen, erklärte ein Sprecher.

Abholservice in zahlreichen Bundesländern verboten

Einen Haken hat die Sache ohnehin: Das Abholen ist zwar in den meisten, aber längst nicht in allen Bundesländern erlaubt. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen verbieten nach einer Aufstellung des E-Commerce-Verbandes bevh das Abholen in ihren Corona-Verordnungen grundsätzlich. In Thüringen ist es demnach nur für Buchhandlungen erlaubt.

Für die Händler ist Click&Collect ein Versuch, den wirtschaftlichen Schaden durch den Lockdown zu verringern. »Es bringt den Händlern vielleicht nicht viel, aber auch ein bisschen ist besser als gar nichts«, sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Für ihn steht fest: »Click&Collect wird vor allem den Großen im Handel helfen, nicht den kleinen, die es am nötigsten hätten.« Denn Voraussetzung dafür sei ein funktionierendes elektronisches Warenwirtschaftssystem, das dem Kunden bei der Onlinebestellung zuverlässig sagen könne, ob ein Artikel noch im Laden vorrätig sei oder nicht. Das aber hätten viele kleine Händler nicht. Und bei Fehlern im Bestellvorgang sei Ärger mit den Kunden vorprogrammiert.

»Für viele kleine Händler wäre es sinnvoller, sie würden die Bestellungen per Telefon oder per Fax annehmen und dann selbst ausliefern. Diesen Service würden die Kunden sehr honorieren, schließlich erspart es ihnen den Weg und das Schlangestehen«, schätzt Heinemann.

apr/dpa