Kneipiers, Händler, Mittelständler Viele Unternehmer verzweifeln an der Shutdown-Verlängerung

Unter Gastronomen macht sich nach den jüngsten Corona-Beschlüssen »Frust und Verzweiflung« breit. Scharfe Kritik kommt auch vom Mittelstand und von Vermietern von Läden.
Geschlossene Kneipen in der Zülpicher Straße in Köln: Bleiben auch heute zu Weiberfastnacht dicht

Geschlossene Kneipen in der Zülpicher Straße in Köln: Bleiben auch heute zu Weiberfastnacht dicht

Foto: Oliver Berg / dpa

In der Wirtschaft gibt es großen Unmut über die jüngsten Verlängerungspläne der Corona-Schließungen. Zu denen, die sich tief enttäuscht geäußert haben, zählen das Gastgewerbe, der Mittelstand und die Immobilienwirtschaft.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beklagte etwa, es gebe immer noch keine Öffnungsperspektive. »Dass Hotels und Restaurants in dem vorliegenden Beschluss mit keinem Wort erwähnt werden, löst in der Branche Frust und Verzweiflung aus«, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin der Branchenorganisation.

Beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist der Ärger ebenfalls groß. »Der Corona-Gipfel ist ein weiterer Beweis der Unverbindlichkeit der Politik und der Gipfel der Enttäuschungen für den Mittelstand«, hieß es. »Es ist fünf nach Zwölf! Die Regierung darf ihre planlose Corona-Politik nicht fortsetzen, sonst droht ein irreparabler Schaden, der sich langfristig auf den Wohlstand in Deutschland auswirkt.«

BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger kritisierte, es fehle noch immer ein verbindlicher Fahrplan für den »Lockoff« der Wirtschaft sowie ein Wirtschaftsgipfel mit Experten des Mittelstands, den Gewerkschaften und der Politik. »Die Regierenden nehmen abermals die Insolvenz und den Existenzverlust von Hunderttausenden Betrieben und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kauf und rauben deren Zukunftsperspektive«, sagte Jerger. »Wieder vertröstet die Bundesregierung den Mittelstand mit unverbindlichen Versprechungen und lässt diesen bettelnd am Tropf der Überbrückungshilfen hängen.«

Auch seitens des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft vertritt auch viele Vermieter von Gewerbeflächen, kam scharfe Kritik. Es fehle weiterhin jede Perspektive für eine Öffnung des Handels. »Es geht um die Existenzen ganzer Innenstädte«, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Der Wirtschaftsweise Lars Feld hält die Verlängerung des Shutdowns indes für wirtschaftlich verkraftbar.

Was Sie nach dem Bund-Länder-Treffen wissen müssen

Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie größtenteils bis zum 7. März verlängert. Was gilt jetzt wo? Und ab wann ist mit Öffnungen zu rechnen? Lesen Sie den Überblick über die neuesten Beschlüsse.

Die aktuell geltenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden grundsätzlich bis zum 7. März verlängert, bereits ab 1. März soll es Ausnahmen für Friseure geben. Darauf einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder am Mittwoch. Damit bleiben etwa Hotels und Kneipen weiter dicht. Sollte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – bis dahin stabil unter 35 gesunken sein, sollen die Beschränkungen von den Ländern etwa im Einzelhandel schrittweise gelockert werden.

Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte: »Wir haben nicht mit einem konkreten Öffnungsdatum gerechnet, aber definitiv mit einer Aussage, wann und unter welchen Voraussetzungen Hotels und Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen. Wir hatten klare Perspektiven erwartet für unsere Branche, die für die Lebensqualität der Mitbürger sowie die Attraktivität der Innenstädte und der Regionen höchste Bedeutung besitzt.«

Gastronomie und Hotellerie hätten von 2010 bis 2019 gut 300.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. »Unsere Betriebe wurden am 2. November geschlossen und werden Ende Februar inklusive des Lockdowns im Frühjahr 2020 insgesamt sechs Monate geschlossen sein.«

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Die Branche erwarte spätestens zu den nächsten Beratungen von Bund und Ländern am 3. März einen abgestimmten Fahrplan für den Restart des Gastgewerbes. Hartges: »Dabei hat für uns die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter höchste Priorität. Alle notwendigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung tragen wir mit, wir erwarten jedoch, dass diese gut begründet, nachvollziehbar und verhältnismäßig im Rechtssinne sind.«

apr/dpa
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