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Springer-Chef Döpfner "Ich halte Staatshilfe für Verlage für falsch"

Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlags und Präsident des Verlegerverbands, spricht über die Folgen der Coronakrise für die Medien - und ob Journalismus in diesen Zeiten kostenlos sein sollte.
Ein Interview von Markus Brauck und Isabell Hülsen
aus DER SPIEGEL 16/2020
Döpfner

Döpfner

Foto: Peter Rigaud

Springer-Chef Mathias Döpfner warnt vor einer drohenden Verlagskrise und einem Zeitungssterben. "Der Werbemarkt bricht gerade dramatisch ein, das kann Medienhäuser jeder Größe in Existenznot bringen, nicht nur lokale oder regionale. Die Situation ist sehr ernst." Döpfner, der auch Präsident des BDZV (Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger) ist, lehnt Staatshilfen jedoch ab. "Ich persönlich finde es inakzeptabel, wenn die strikte Trennung zwischen privater Presse und Staat in einer solchen Krise aufgelöst oder auch nur verwässert würde." Die Zeitungsvielfalt per Staatshilfe zu retten, sei keine Lösung. "Es wäre nur eine Pro-forma-Vielfalt, wenn wir immer mehr Verlage an den staatlichen Tropf hängen."

Lesen Sie hier das ganze Interview:

SPIEGEL: Herr Döpfner, mitten in der Coronakrise ist der Springer-Verlag in dieser Woche von der Börse gegangen, nach 35 Jahren. Ist das ein Glück im Unglück?

Döpfner: Als wir das beschlossen haben, konnte niemand ahnen, was auf uns zukommt. Aber wir sind in der Tat froh, jetzt nicht mehr dem kürzeren Takt der Börse verpflichtet zu sein. Das hilft, in dieser Krise die richtigen Weichen zu stellen. Mit Frau Springer habe ich heute Morgen mit einem Glas Wasser darauf angestoßen.

SPIEGEL: Sie müssen die möglichen Einbrüche, die bevorstehen, ab sofort nicht mehr öffentlich kommunizieren.

Döpfner: Davor hätte ich keine Angst. Es gibt bei uns den Spruch: Springer kann Krise. Wir haben viele davon erlebt, und wir sind immer nur enger zusammengerückt. Das gilt auch jetzt. Alle hier hängen sich rein wie nie und halten zusammen. Dafür bin ich dankbar.

SPIEGEL: Neben Friede Springer ist der US-Finanzinvestor KKR ihr größter Aktionär. Mit ihm wollten Sie eigentlich auf Wachstumskurs gehen, große Übernahmen angehen. Ist das nun Makulatur?

Döpfner: Bei unserem ersten Treffen im Aktionärsausschuss hat Henry Kravis, einer der Gründer von KKR, gesagt: Never waste a good crisis.

SPIEGEL: Verschwende keine gute Krise.

Döpfner: Das Zitat wird Winston Churchill zugeschrieben. Friede Springer sieht das ohnehin so. Ich finde es wunderbar, dass unsere beiden großen Aktionäre so denken.

SPIEGEL: Soll heißen, Sie schauen sich nach Übernahmekandidaten um, die in der Krise günstig zu haben sind?

Döpfner: Nein, Übernahmen stehen im Moment nicht im Vordergrund. Aber das kann in ein paar Monaten schon wieder anders sein, wenn die Situation entschärft ist und sich Gelegenheiten ergeben.

SPIEGEL: Wie hart wird Springer in der Krise sparen müssen?

Döpfner: Hart. Natürlich gibt es jetzt Bereiche, die deutlich weniger zu tun haben. Da nutzen wir das Instrument der Kurzarbeit. Aber es gibt auch viele Bereiche, die auf allen Zylindern dampfen. Deshalb ist es unsere feste Absicht, die Krise gemeinsam durchzustehen.

SPIEGEL: Ihr Gewinn ist bereits 2019 eingebrochen, Sie haben deshalb vor Corona ein Sparprogramm gestartet, allein bei "Bild" und "Welt" müssen 50 Millionen Euro gespart werden, Hunderte Jobs fallen weg. Wie viele mehr werden es durch die Krise?

Döpfner: Wir haben dieses Sparprogramm sehr schnell umgesetzt, die Rückstellungen dafür haben den Gewinn gedrückt, aber das hilft uns jetzt. Was darüber hinaus nötig ist, weiß niemand. Wir dürfen bei alldem aber jetzt nicht das unternehmerische Augenmaß verlieren. Überall x Prozent weniger – das wäre dumm. Wir investieren deshalb weiter in Wachstumsprojekte.

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