Charité-Untersuchung bei Deutscher Bahn Züge sind offenbar keine Virenschleudern

Ist Bahnfahren sicher? Eine Charité-Tochter hat für die Deutsche Bahn beim Personal nach Corona-Antikörpern gesucht - und wurde nur in wenigen Fällen fündig.
Maskentragende Zugbegleiterin: Seltener Antikörper als Beschäftigte ohne Kundenkontakt

Maskentragende Zugbegleiterin: Seltener Antikörper als Beschäftigte ohne Kundenkontakt

Foto: Ralph Peters / imago images

Bahnfahren stellt laut einer Charité-Studie kein erhöhtes Corona-Risiko dar. Bei Zugbegleitern im Fernverkehr seien etwas seltener entsprechende Antikörper nachgewiesen worden als bei Beschäftigten ohne Kundenkontakt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Die Studie dazu ist noch nicht abgeschlossen. Bislang liegen Tests von 1072 Mitarbeitern von Ende Juni und Anfang Juli vor. Darunter waren 600 Zugbegleiter für IC und ICE sowie etwa genauso viele Lokführer und Werkstatt-Mitarbeiter. Bei allen Getesteten sei per PCR-Test lediglich ein aktiver Corona-Fall eines Werksmitarbeiters registriert worden.

Bei den Zugbegleitern hatten 1,3 Prozent Antikörper im Blut - hatten also schon einmal eine Infektion mit dem Virus. In der Vergleichsgruppe ohne Kundenkontakt war der Anteil gut doppelt so hoch. "Wir müssen weiter achtsam sein, aber es gibt keinen Grund zur Sorge vor Bahnreisen", folgerte Bahn-Vorstandsmitglied Berthold Huber daraus.

Auch Klimaanlagen wirken gegen Ansteckungsgefahr

Er könne "mit Überzeugung sagen, dass Bahnfahren sicher ist", so Huber. Die Studie soll im Herbst und auch im Winter fortgesetzt werden. Neben der Maskenpflicht in den Zügen wirken laut Huber auch die Klimaanlagen gegen die Ansteckungsgefahr. Diese seien keineswegs eine Gefahr. Durch die Klimaanlagen werde die Luft alle sieben Minuten in den Waggons ausgetauscht.

Zu der Zeit hatten die Fernzüge nach Bahn-Angaben eine Auslastung von 30 Prozent, halb so viel wie vor der Coronakrise. Weitere Tests an Mitarbeitern sind im Oktober und Februar geplant - in der Erkältungs- und Grippesaison.

Forschungspartner ist die Charité Research Organisation GmbH. Die Tochtergesellschaft des Berliner Universitätsklinikums betreibt Auftragsforschung. Sie war an der Präsentation am Mittwoch nicht beteiligt und äußerte sich bislang nicht zu der Studie. Ziel seien wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über das Infektionsgeschehen, teilte die Bahn mit.

Die Forscher fassen ihre Ergebnisse schriftlich etwas nüchterner zusammen, als das Bahn-Management. "Es war nicht Ziel dieser Testreihe und es ist auch nicht Ziel der gesamten Studie, das Infektionsrisiko in öffentlichen Transportmitteln zu bestimmen", heißt es in einer Kurzfassung der Studienergebnisse (hier geht's zum PDF ). Gleichwohl könne "insgesamt festgehalten werden, dass die Züge keine Infektionshotspots sind, da sonst auch das Zugbegleitpersonal stärker als der Bevölkerungsdurchschnitt betroffen sein müsste. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit Beobachtungen der Gesundheitsinstitute und anderer Studien, die weltweit eine geringe Anzahl an Infektionen in Zügen berichten."

Allerdings sei es möglich, dass das Ansteckungsrisiko der Passagiere höher oder niedriger liege, als bei Zugbegleitern, da Reisende einerseits länger Kontakt mit infizierten Sitznachbarn haben könnten, andererseits aber insgesamt kürzere Zeit im Zug unterwegs seien.

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Insgesamt steige die Auslastung der Fernverkehrszüge langsam und liege derzeit im Schnitt bei etwa 40 Prozent, sagte Huber. Vor einem Jahr betrug sie knapp 60 Prozent. 

Allianz pro Schiene: Auch Unfallrisiko fällt zugunsten der Bahn aus

Die Allianz pro Schiene rief in diesem Zusammenhang dazu auf, die Verkehrssicherheit nicht allein auf Corona zu reduzieren. "Wer sich für den Zug statt für den Pkw als Verkehrsmittel entscheidet, reduziert sein Unfallrisiko deutlich", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Laut Sicherheitsvergleich der Allianz pro Schiene seien im Zehnjahreszeitraum 2009 bis 2018 in Deutschland fast 47-mal so viele Menschen pro zurückgelegtem Kilometer in Pkws wie in Zügen gestorben.

caw/dpa/Reuters
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