Einzelhandel in der Coronakrise »Das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist eine herbe Enttäuschung«

Rund ein Drittel weniger Umsatz als im gleichen Zeitraum vor Corona: Außer Supermärkten und Drogerien leiden Ladengeschäfte im Advent enorm unter den pandemiebedingten Beschränkungen.
Weihnachtlich dekoriertes Schaufenster in Berlin

Weihnachtlich dekoriertes Schaufenster in Berlin

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

Die deutschen Einzelhändler sind auch nach dem vierten Adventswochenende mehrheitlich enttäuscht vom Weihnachtsgeschäft. Zwei Drittel der 1000 Befragten seien mit dem bisherigen Verlauf unzufrieden, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. »Das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist eine herbe Enttäuschung für viele Händlerinnen und Händler«, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Besonders bei den Händlern in den Innenstädten ist die Lage wenige Tage vor Weihnachten offenbar schlecht. 80 Prozent der befragten Unternehmen dort bewerteten die Geschäftsentwicklung negativ. Auch in der Woche vor dem vierten Advent verzeichnen sie demnach ein großes Minus bei Umsätzen und Kundenfrequenzen.

Als Grund für das schlechte Geschäft der Einzelhändler sieht der Verband vor allem die Coronabeschränkungen. Mit Ausnahme von Geschäften des täglichen Bedarfs wie Supermärkte und Drogerien dürfen wegen der vierten Coronawelle nur Geimpfte oder Genesene die Läden betreten – die sogenannte 2G-Regel. »2G setzt ihnen seit Wochen zu, und das in der für gewöhnlich umsatzstärksten Zeit des Jahres«, sagte Genth.

Viele sehen bei weiter geltenden Corona-Beschränkungen ihre Existenz in Gefahr

Der unter 2G-Bedingungen geöffnete Nicht-Lebensmittel-Handel verzeichne einen Rückgang der Umsätze um 34 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019. Im innerstädtischen Handel gingen die Erlöse um 35 Prozent zurück. Dramatisch sei die Lage besonders im Bekleidungshandel, der 37 Prozent seiner Umsätze verloren habe.

»Das deutliche Minus bei Umsätzen und Frequenzen hat sich durch die gesamte Adventszeit gezogen und die angespannte Situation im Handel Woche für Woche verschärft«, sagte Genth. Nur 15 Prozent der Befragten aus dem Non-Food-Handel hätten positive Erwartungen an die Zeit bis zum Jahresende. »Es geht um weit mehr als ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft«, sagte Genth, »es geht um Existenzen«. Bei weiter geltenden Zugangsbeschränkungen für Geschäfte sehe etwa die Hälfte der befragten Non-Food-Händler ihre Existenz in Gefahr.

Genth verwies auf das Urteil des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts, dass 2G im Handel unverhältnismäßig sei und keinen wirksamen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leiste. »An diesen Regelungen in anderen Bundesländern festzuhalten, ist inakzeptabel«, forderte der HDE-Experte. »Es braucht eine bundesweit einheitliche und verhältnismäßige Lösung.«

Eigentlich hatte der HDE mit einem Rekordumsatz im laufenden Weihnachtsgeschäft gerechnet. Die Einnahmen sollten laut den Erwartungen im November und Dezember zusammen um zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf knapp 112 Milliarden Euro steigen. Treiber soll vor allem der Online-Handel sein. Traditionell machen klassische Geschenkebranchen wie der Spielwarenhandel mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes im November und Dezember.

fdi/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.